Schlagwort-Archiv: Soziale Stadt

Und alle helfen mit

Von HU-Gastblogger Carsten.

Der 2003 gegründete, gemeinnützige Verein “Förderverein der Allegro-Grundschule e.V.” besteht aus Lehrern, Erziehern, Eltern und Freunden der Schule. Alle 56 Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und auch die Kinder können sich aktiv einbringen. Die Mitglieder versuchen die pädagogische Arbeit an der Schule in allen Bereichen möglichst gut zu unterstützen und zu fördern. Dafür wurden mehrere Projekte und Aktionen ins Leben gerufen, denen noch viele weitere folgen sollen.

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Da die Allegro-Grundschule nur Gelder vom Staat über einen immer geringer werdenden Etat verwalten darf, wurde der Förderverein ins Leben gerufen. Dieser darf im Gegensatz zur Schule auch Spenden sammeln und damit gezielt Projekte mit Geldern außerhalb dieses staatlichen Etats finanzieren.

Der Verein beschränkt sich jedoch nicht nur auf Finanzielles. Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit ist die aktive Beteiligung am schulischen Geschehen. Durch die enge Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern lässt sich der Lernweg der Kinder deutlich besser fördern. Ausdruck findet diese Zusammenarbeit z. B. in Form von Projekten zur Erlernung einer ausgewogenen Ernährung schon während der Schulzeit.

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Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek

Von HU-Gastblogger Ulrich

Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek in der Pallasstr. 27 blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück und gehört zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen im Schöneberger Norden. Durch den Ausbau ihres interkulturellen Angebots konnte sie ihre Besucherzahlen in den vergangenen Jahren erheblich steigern. 2012 wurde ihre geplante Schließung vorerst abgewendet, ihr Erhalt ist jedoch weiter vom kommunalen Sparwillen bedroht. „Ist eine dezentrale Bibliothek in einem Gebiet wie dem Schöneberger
Norden notwendig? Ich sage ja, weil man nur hier Kinder und Jugendliche fürs Lesen gewinnen kann, nicht in den Zentralbibliotheken“, sagt Quartierst Bertram von Boxberg. Er empfiehlt auch unkonventionelle Massnahmen der Solidarität. 

 

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Von Pforzheim nach Shanghai

Pforzheim in Baden-Würtemberg, wer mag es Patrick verübeln, den Wohnsitz nach Berlin Mitte zu verlegen. Seit vier Jahren lebt er in einer ruhigen Wohninsel an der Jannowitzbrücke – und der gewünschte Trubel aus Clubs, Uni und Großstadt ist in alle vier Himmelsrichtungen mit dPatrickem Fuß oder Fahrrad zu erreichen.

Aus Pforzheim in Baden-Würtemberg – wenn man wie Patrick gerne elektronische Partys sowohl organisiert als auch besucht – gibt es auch hier nur einen Weg, und dieser führt ins elektronische Epizentrum Deutschlands, nämlich nach Berlin. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Was nach dem typischen zugezogenen Studentenklischee, Party Party Party, aussehen mag, täuscht. Patrick kann auch ohne Drogen Spaß im Golden Gate haben, er hangelt sich nicht vom einem Wochenende zum nächsten, sondern er spielt fleißig Fußball, engagiert sich in der Fachschaft und hat seinen Bachelor quasi in der Tasche. Berlin ist für ihn auch nicht das Ziel, sondern nur ein Sprungbrett – z.B. nach Shanghai.

Aus Pforzheim, Baden-Würtemberg nach Shanghai – das hört sich an wie die Geschichte vom Teller zum Millionär. Vielleicht wird sie das auch. Patrick ist fast fertig mit dem VWL-Studium: Wenn er nicht gleich ein verlockendes Jobangebot bekommt, legt er gerne noch einen Masterabschluss drauf. Was er genau macht, lässt sich nur mit einem Fachchinesischwörterbuch verstehen, aber es ist etwas mit Versicherungen. Und, ganz unser Patrick, geht er auch hier aufs ganze: „9 to 5 ist nichts für mich, ich muss darin aufgehen.“ Und auch eine Filiale darf es nicht sein, höchstens halt als Ziwschenstation auf dem Weg in die Zentrale.
Na dann, gute Reise Patrick.

 

 

Von freilaufenden Kaninchen und Diskriminierung

von HU-Blogger Christoph

Das Freizeitzentrum in der Kluckstraße ist ein Ort der Begegnung unterschiedlichster Menschen. FiPP, KomBi und Gladt – von einer Initiative zur Gartenarbeit mit Kindern, über eine Selbst-Organisation zur Hilfe bei Diskrimierung bis hin zu einer Fortbildungsinitiative für Lehrkräfte.

Wenn man in dem großen Garten in der Kluckstraße unterwegs ist, sieht man überall fleißige Gärtner_innen. Auch hinter mir raschelt es im Gebüsch. Sophia ist gerade dabei einen kleinen Graben auszuheben. Das aktuelle Projekt heißt „Bauerngarten“, wie ich erfahre.

Doch gibt es da ein kleines Problem: die freilaufenden Kaninchen. Wenn man etwas ernten will, muss also ein Zaun her. In Zusammenarbeit mit dem ‚Produktionsschule Sägewerk Grunewald‘ soll in dieser Woche ein traditioneller Lattenzaun gesetzt werden.

Bereits seit zwei Jahren läuft das Projekt „Wachsen lassen“, was man dem eindrucksvollen Garten ansieht. Das Angebot ist sehr vielfältig. Von der Arbeit mit Kleinkindern, dem Brotbacken im Lehmofen, über kleinere Gartenprojekte von Anwohner_innen bis zum Anbauen von Gemüse. Bei vielen kreativen Projekten hilft eine Künstlerin mit. So soll der neue Zaun auch später von den Kindern bemalt werden, erzählt mir Gabriele und ihre Augen leuchten dabei.

Gemeinsam Freizeit haben

Nicht weit entfernt hört man Kinder. Es wird gerade Fußball gespielt. Das Match wird kurz unterbrochen. Jan muss sich die Schuhe zumachen und Olé will einen Schluck trinken. Auch Jasmin spielt mit. Eine bunt gemischte Truppe eben.

Die großen Doppeltüren des Gebäudes stehen zum Hof hin offen, jede_r ist in den Räumlichkeiten willkommen. Einige Kinder sitzen und basteln, andere sind am Kicker aktiv. Es ist eine herzliche und vergnügte Atmosphäre.

Hier treffen sich vor allem Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Es ist ein Spiegel der Kulturen im Kiez. Ein Ort der Vielfalt, indem Menschen mit unterschiedlichen sozialen Herkünften, Sprachkompetenzen, geschlechtlichen Identitäten, Befähigungen und religiösen Anschauungen aufeinander treffen. Sicher nicht immer reibungslos.

Fotos: Gabriele Koll

Hilfe bei Diskriminierung – die Initiativen Gladt und KomBi

Im ersten Stock des Mehrzweckhauses sind die Initiativen Gladt und KomBi zuhause. Beide Organisationen setzen sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen (LSBT) ein.

Gladt ist die einzige unabhängige Selbst-Organisation, von türkeistämmigen LSBTs in Deutschland. Das Angebot richtet sich nicht nur explizit an queere Migrant_innen, sondern auch speziell an deren Angehörige und Freunde. Es werden kostenlose Beratungen zu zahlreichen Themen angeboten, die anonym und bei Bedarf auf verschieden Sprachen durchgeführt werden können.

Die Referent_innen sind unterwegs in unterschiedlichen Einrichtungen im Kiez, von der geschlechtsneutralen Erziehung in Kitas bis hin zu Gesprächsrunden in Seniorenresidenzen.

Entscheidend ist der Ansatz der Mehrfachdiskriminierung erläutert Tuğba, als eine der Projektkoordinator_innen. Die Betroffenen sind oft Opfer verschiedener Formen von Diskriminierungen, wie Homophobie, Rassismus oder Transphobie.

Die Organisation ist international aufgestellt, veröffentlicht Infomaterialien unter anderem dreisprachig und arbeitet momentan mit einer Gruppe aus Spanien zusammen.

Fortbildung von Lehrer_innen bei KomBi

Das Angebot von KomBi (Kommunikation und Bildung) richtet sich neben Schulklassen vor allem an Sozialarbeiter_innen, Erzieher_innen oder Lehrer_innen. In ein- bis zweitägigen Seminaren wird konkret zu Themen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt fortgebildet. Gefördert werden die Projekte im Rahmen der Abgeordnetenhaus-Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz Sexueller Vielfalt“. Dies geschieht im Rahmen der Bildungsinitiative QUEERFORMAT, einem Trägerverbund von KomBi und Abqueer (Aufklärung und Beratung zu queeren Lebensweisen).

Was kann ich als Pädagog_in gegen Diskriminierung unternehmen? Wie kann ich Jugendliche beim Coming Out unterstützen? Wie kann ich Themen sexueller Vielfalt angemessen in meiner Arbeit berücksichtigen? Auf diese Fragen wird in den Seminaren eingegangen.

Im letzten Jahr veranstaltete QUEERFORMAT viele Seminare für Pädagog_innen im Bezirk Mitte.

Bei ihrer Arbeit treffen die Mitarbeiter_innen nicht nur auf Gegenliebe, aber umso wichtiger ist die Sensibilisierung der Pädagog_innen für diese Themen.

Mein Besuch in der Kluckstrasse war ein interessanter Auflug in die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen. Es wird bestimmt nicht der letzte gewesen sein, da es noch andere spannende Initiativen unter dem Dach kennenzulernen gibt.

 

Grünes „Klück“

von HU-Gastbloggerin Dafni Ragousa

Diese Straße wurde nach Alexander von Kluck benannt, der im ersten Weltkrieg preußischer Armeeoberbefehlshaber war. Die Kluckstraße ist eine ruhige und stille Seitenstraße. Im Gegensatz zu den anderen Straßen des Lützowviertels ist sie eine reine Wohnstraße. Starken Publikumsverkehr und überfüllte Straßencafés gibt es hier ebenso wenig wie vorbei brausende Autos, Lärm und Abgase.

In der Nummer 11 gab es schon immer einen öffentlichen Garten, der früher allerdings verwildert und ungepflegt war und besonders gerne von Drogenabhängigen, Obdachlosen und Straßenprostituierten benutzt wurde. Kein Wunder, denn der Bezirk Tiergarten-Süd ist einer der siebzehn sozialen Brennpunkte Berlins. Ein Wohngebiet, in dem Faktoren, die die Lebensbedingungen ihrer Bewohner und insbesondere die Entwicklungschancen beziehungsweise Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen negativ bestimmen, gehäuft auftreten. Zur Verbesserung des Alltags und der Lebensqualität der Bewohner werden verschiedene Vereine sowie Quartiersmanagement tätig. Interessierte Anwohner/innen und Vertreter/innen aus dem Kinder- und dem Jugendtreff haben gemeinsam mit einer Stadtplanerin den „Garten für alle“ geplant. Aus dem Projekt Familiengarten ist ein neuer und größerer Garten mit Grillplatz und Flächen für Ballspiele entstanden. Teil davon ist der sogenannte interkulturelle Garten, in dem – wie der Name schon verrät – Pflanzen und Blumen aus aller Welt zu finden sind. Auch ein Pizza- und Kräutergarten ist hier zu finden, wo die Kinder alle diesen Kräuter und Pflanzen pflegen, die man für die Zubereitung einer leckeren Pizza braucht. Damit der Garten nicht mehr von Drogensüchtigen als willkommener Druck-Platz missbraucht wird oder von Prostituierten als „Vollzugsplatz“, schließt ein Zaun das Gesamtareal um.

Diesen Sommer war der Familiengarten zum ersten Mal mit einer Bühne auf der Fete de la Musique dabei.

Am gegenüberliegenden Magdeburger Platz kam am 15. Juli 1892 der Philosoph und Literaturkritiker Walter Benjamin zur Welt, der in seinen Erzählungen aus dem Berlin der 1920er Jahre der Markthalle einen mitbestimmenden Einfluss auf seine politische Sozialisation zuschreibt. Heute stellt sich auch dieser Platz als kleine grüne Oase mitten im Berliner Häusermeer dar.

Ein paar Schritte weiter, in der Kluckstraße 3 befindet sich mit 100 Zimmern die größte Jugendherberge Deutschlands. Als ich vorbei laufe, sehe ich eine Gruppe von Schülern, die mit ihrem Lachen die Ruhe der Gegend durchbrechen und lebendiger machen. Der Tag ist sonnig und warm, untypisch für diese Jahreszeit und die Jugendlichen genießen die Sonnenstrahlen auf dem grünen Gelände.

Die Kluckstraße erscheint – zumindest bei Tageslicht, als ich sie besucht habe – sehr friedlich und erinnert nicht an ihre nachbarschaftliche Potsdamerstraße und an die mit der Gegend verbundenen Probleme. Das Lachen der Jugendlichen, die weißen Schmetterlinge und die bunten Vogelscheuchen im Kräutergarten hinterlassen einen durchaus positiven Eindruck.

Quartiersmanagement ist endlich. Und dann? Machen Sie mit!

Das Programm „Soziale Stadt“ war nie für die Ewigkeit gedacht. Es wurde 1999 entwickelt und bundesweit in 300 Gebieten etabliert. Entlang der Potsdamer Straße sind Tiergarten-Süd und der Schöneberger Norden seitdem Quartiersmanagementgebiete.

Ziel war unter anderem eine Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen durch städtebauliche, soziale und integrative Maßnahmen. „Ein weiterer Anspruch war, Strukturen aufzubauen, Nachhaltigkeit zu schaffen,“ sagt Sebastian Richter von stadt.menschen.berlin. „Die Frage der Verstetigung ist drin, denn es hört irgendwann auf. Danach sollten sich die aufgebauten Strukturen auch selbst tragen.“

Nun liegt es in der Natur der meisten Förderprogramme, dass die geförderten Projekte sich nach Ablauf der Förderungen höchst selten selbst tragen. Im besten Fall erweisen sie sich als so effektiv, dass sie in die Regelfinanzierung übernommen werden.

Im letzten Jahr begann der Quartiersrat Schöneberger Norden und das Quartiersmanagement an die Zukunft zu denken. Zunächst wurde festgestellt, dass die Strukturen, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind, erhaltenswert sind. Im nächsten Schritt wurde ein Projekt auf den Weg gebracht, mit dessen Hilfe in den in den kommenden Jahren ein Akteur entstehen soll, der eine wichtige Rolle bei der bürgerschaftlichen Stadtteilarbeit in Schöneberg übernimmt.

Auftaktveranstaltung Initiative Bürgerstiftung
Donnerstag, 10. März, 19.00 Uhr
PallasT – Pallasstraße 35 / Ecke Potsdamer Straße

Einladungsflyer

In diese Vorbereitungen hinein knallte im Herbst 2010 der Peitschenschlag des Bundesbausenators Peter Ramsauer. Er kündigte an, die Fördermittel des Städtebauprogramms um 72 Prozent zu kürzen. Nur Bauprojekte sollten gefördert, die Gelder im Bereich soziale Integration und Bildung gestrichen werden.

Die geplanten Kürzungen würden wertvolle Erfolge und Bemühungen der letzten 11 Jahre zunichte machen und uns um Jahre zurückwerfen,“ empörte sich der Quartiersrat Schöneberger Norden in einer Stellungnahme an Bundestagsabgeordnete und andere Politiker. Der Quartiersrat Tiergarten Süd gab zu bedenken: „Da die Missstände in den Städten nicht ein lokales Problem sondern auf der Grundlage allgemeiner gesellschaftlicher Entwicklungen entstanden sind, ist eine Beteiligung des Bundes an ihrer Beseitigung zwingend erforderlich.“

Der Arbeitskreis der Berliner QMbeauftragten eine Protestveranstaltung in der Zwölf Apostel Kirche in der Kurfürstenstraße. Es gab Demonstrationen und 13303 Menschen unterschrieben eine Petition gegen die Kürzungspläne. Ohne Erfolg. Der Kürzungsbeschluss blieb erhalten.

Im Februar 2011 gab es einen Silberstreif am Horizont. Der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus beschloss auf Vorlage des Senats, die fehlenden Mittel für das Jahr 2011 auf 100% aufzustocken. „Wir werden uns die erfolgreiche Arbeit in den Kiezen nicht kaputt machen lassen,“ sagte Senatorin Junge-Reyer.

Das sichert die Gegenwart. „Quartiersmanagement arbeitet partizipativ,“ erläutert Clemens Klikar. „Zu der Arbeit gehört die erfolgreiche Netzwerkbildung.“

So bestehen auch nach ihrem Umzug in die Bülowstraße zwischen HUZUR und den ehemaligen Nachbar/innen im Kulmer Kiez gute Kontakte. Die Nachbarschaftstreffs der Kiezoase in der Froben- und Steinmetzstraße stehen in ständigem Austausch. Durch die kiezübergreifende Arbeit von Outreach sind die Jugendlichen vernetzt. Die lokalen Bildungsinstitutionen kooperieren ebenfalls.

In Tiergarten-Süd ist die Zusammenarbeit zwischen der Grundschule Tiergarten-Süd und den Trägern Fipp e.V. und KIDZ e.V. etabliert. Zur Zeit kommt das Jugendkulturzentrum die PUMPE als starker Partner dazu. Ebenfalls gut vernetzt sind einige KünstlerInnen und Gewerbetreibende.

Welches Veränderungspotenzial liegt in dem geplanten Projekt? „Zur Zeit kommt die Definitionskraft bei der Bürgerbeteiligung von außen,“ erläutert Clemens Klikar und prophezeit: „Mit veränderten Akteursgruppen entstehen auch andere Zielstellungen, andere Strukturen und andere Organisationsformen.“

Gemeinsam mit seinem Kollegen Sebastian Richter leitet er das Projekt INITIATIVE Bürgerstiftung Schöneberger Norden, das nun gestartet ist. Sie schreiben in der Ankündigung über den zu entwickelnden Akteur: Das kann ein Initiativkreis oder ein Förderverein sein, oder sogar eine Bürgerstiftung werden. Langfristiges Ziel ist es, Projekte und Maßnahmen von Bürgern für Bürger zu fördern und zu unterstützen. Dafür notwendige Mittel sollen bei Privaten und Institutionen eingeworben werden.
Die INITIATIVE möchte Menschen einen unabhängigen und gemeinnützigen Rahmen für ihr persönliches, institutionelles und/oder materielles Engagement geben.
Die INITIATIVE ist offen für Menschen aller Ziel-, Alters-, Herkunfts-Gruppen und hat „das gefühlte Schöneberg“ im Blick.

Die Weichen im Schöneberger Norden für die Zeit nach dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ sind also gestellt und jedeR kann sich an der Gestaltung beteiligen. „Für die Zukunft steht lediglich fest, dass etwas Eigenständiges entsteht,“ so Klikar. „Die Erfolgschancen sind um so größer, je offener man an diesen Prozess herangeht.“

Alle die Interesse haben, daran mitzuarbeiten sind herzlich eingeladen

Auftaktveranstaltung Initiative Bürgerstiftung
Donnerstag, 10. März, 19.00 Uhr
PallasT – Pallasstraße 35 / Ecke Potsdamer Straße

Informationen
initiative[at]stadt-menschen-berlin[.]de
030/89735631
Durchführung
stadt.menschen.berlin
Clemens Klikar
Sebastian Richter
Stubenrauchstraße 62
12161 Berlin

Halb aus dem Schlamassel ist noch nicht gerettet – Petition „Rettet die Soziale Stadt“ bis zum 18. November zeichnen

In den frühen Morgenstunden berichtete die Berliner Morgenpost, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages gestern beschlossen hätte, dass im kommenden Jahr 455 Millionen Euro für das Programm „Soziale Stadt“ zur Verfügung stehen soll. Auf Berlin entfallen dabei 22,5 Millionen Euro. Das ist mehr als die schlimmsten Befürchtungen prophezeiten und die CDU und FDP an Kürzungen forderten.

Nun kann man darüber debattieren, ob dass das Glas halb voll oder halb leer lässt.

In 2010 standen Berlin 30 Millionen Euro zur Verfügung. Die geplanten Kürzungen hätten nur 15 Millionen übrig gelassen. Sind 22,5 Millionen dann ein Teilerfolg?

Erstmal schon, doch darüber sollte nicht vergessen werden, die derzeit laufende Petition Bauwesen – Keine Kürzung der Mittel für Städtebauförderung beim Bundestag zu zeichen. Dies ist die offizielle Petition beim Bundestag. Zuvor lief schon eine, die von über 7.000 Menschen gezeichnet wurden.

Bei der jetzigen, entscheidenden haben dies bisher 1.042 Menschen gemacht. Doch um überhaupt gehört zu werden, benötigen wir 50.000 Unterschriften. Weder Staatsangehörigkeit noch Volljährigkeit sind dabei von Bedeutung, aber eine Registrierung mit Name und Email-Adresse ist notwendig. Die Daten werden dabei geschützt.

Also klicken, mitzeichnen und weitersagen

Warum?

Gestrichen wird das Soziale an der „Sozialen Stadt“, also alles was über reine Baumaßnahmen hinausgeht, denn CDU und FDP wollen die übrig bleibende Förderung auf investive Aufgaben beschränken, schreibt Anne Wispler, Blogbetreiberin und Kiezmentorin, auf dem von ihr hervorragend betriebenen Blog „Rettet die Soziale Stadt“. Damit gemeint sind aber nicht etwa Investitionen in Bildung und Integration, also in die Menschen der betroffenen „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf,“ fährt sie fort. So setzt sich die Regierung über die Kommunen und Experten hinweg, die gewarnt hatten, dass ohne das erfolgreiche Fördermittel „Soziale Stadt“ große Probleme in den Städten drohen.

Der Untertitel des Blogs bringt auf den Punkt um was es geht: „Die Menschen, nicht die Häuser machen die Stadt“

Denn die Mittel des Städtebauförderprogramm kombinieren bauliche mit sozial-integrativen Massnahmen. Das Programm verbindet bauliche Investitionen der Stadterneuerung mit Maßnahmen zur Förderung von Bildung, Beschäftigung und Integration. In der Petition heißt es dazu: Zentrale Fragen der Gesellschaft wie die Integration und Bildung werden in den Quartieren zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern bearbeitet. Das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Bewohner, Eigentümer und Gewerbetreibender bei der Gestaltung ihrer Nachbarschaften wird durch die radikalen Kürzungspläne bedroht. Dieses Engagement hat gezeigt, dass der Einsatz staatlicher Gelder durch die Mitarbeit der Bürger wesentlich effektiver und erfolgreicher wird und für den Ausbau sozialen Zusammenhalts in benachteiligten Quartieren unerlässlich ist.

Die Notwendigkeit Geld zu sparen ist allgegenwärtig. Doch wenn man bedenkt, dass jeder Euro Städtebauförderung des Bundes rund acht Euro an Folgeinvestitionen auslöst, kann man auch argumentieren: Den Senat von Berlin kostet das Programm zwar rund 15 Millionen jährlich. Doch folgen dem rund 120 Millionen Euro an Nachfolgeinvestitionen. Das heißt, dass die beschlossenen Kürzungen insgesamt betrachtet Geld aus dem Fenster werfen und Haushaltskonsolidierung verhindern.

Wenn man dann noch bedenkt, wieviel ehrenamtliche Arbeit aufgrund des Programm initiiert und geleistet wird, kann einem schwindelig werden angesichts der vergeudeten Ressourcen, die in Kauf genommen werden. Hier nur ein Beispiel: Die Mitglieder des Quartiersrat Magdeburger Platz haben im Jahr 2010 über 1.000 ehrenamtliche Stunden in die Verbesserung des Quartiers investiert.

Und das gilt nicht nur entlang der Potsdamer Straße. Gerade hat die Friedrich-Ebert-Stiftung die umfassende Publikation Das Programm Soziale Stadt – Kluge Städtebauförderung für die Zukunft der Städte herausgebracht, die die Erfolge und Verbesserungsmöglichkeiten bundesweit beschreibt.

Die Kürzung des Programms trifft 350 Städte und Gemeinden mit fast 600 Quartieren in ganz Deutschland. Und überall dort können Erfolge besichtigt werden: Über drei Mrd. Euro, davon allein 890 Mio. Euro des Bundes, flossen in diese Gebiete. Geld, das Städte und Gemeinden nicht alleine hätten aufbringen können und ohne dass sich die Probleme noch vergrößert hätten.

Nun kann man argumentieren, dass das Programm Soziale Stadt sowieso in den kommenden Jahren auslaufen soll. Das ist sowohl den QuartiersmangerInnen als auch den QuartiersrätInnen bewusst.

Doch wenn man uns die Zeit nimmt, um den Übergang in eine nachhaltige Form der Bürgerbeteiligung vorzubereiten, ist das eine Verschwendung der bisher geleisteten Arbeit. Und legt die Vermutung nahe, dass Bürgerbeteiligung vielleicht gar nicht erwünscht ist.

Alle Macht den Bürgern – QM als Zukunftsinvestition oder Millionengrab?

Von HU-Gastblogger Christian Döring

Im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“ wurden in Gebieten mit erheblichen Defiziten, z. B. bezüglich Infrastruktur, Integration von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund, der Arbeitsmarktentwicklung und der Bekämpfung des Leerstandes von Wohn- und Gewerberäumen, Quartiersmanagements (QM) installiert.

Allein in Berlin Mitte gibt es fünf QM-Gebiete, in denen für obengenannte Probleme Lösungsansätze entwickelt und angewendet werden sollen.

Eines dieser Areale, das QM Magdeburger Platz, ist direkt an der Grenze zum südlichen Bezirk Tempelhof-Schöneberg gelegen. Es wird umrahmt von der Kurfürstenstraße im Süden, dem Landwehrkanal im Norden, der Flottwellstraße im Osten und der Einemstraße sowie dem Lützowplatz im Westen.

Bereits seit 1999 übernimmt das Quartiersmanagement die Aufgabe, im Kiez schlummernde Potentiale aufzudecken und zu aktivieren, um somit den vielfältigen Problemen zu begegnen. Seit 2006 unterstützt ein demokratisch gewählter, 23 Mann/Frau starker Quartiersrat (QR), zusammengesetzt aus BürgerInnen sowie örtlichen Vereinen und Institutionen, das Quartiersmanagement.

Der Quartiersrat diskutiert den Sinn und voraussichtlichen Nutzen eingebrachter Ideen und Vorschläge, stimmt darüber ab und leitet die von der Mehrheit angenommenen Projekte ans QM weiter. Das QM hilft wiederum bei der Ausformulierung der Projektanträge und begleitet den bürokratischen und organisatorischen Teil der Umsetzung.

Die Einrichtung des Quartiersrates (QR) verleiht den Anwohnern und Gewerbetreibenden vor Ort ein Mitspracherecht, wenn es um die Lösung aufkommender und präsenter Probleme im Kiez geht. Der QR versteht sich dabei selbst als „Schnittstelle zwischen Bevölkerung und Verwaltung“. Bürgerbeteiligung ist also das zentrale Stichwort. Der Bürger wird mit Kompetenzen und einer gewissen Entscheidungsgewalt ausgestattet (die endgültige Entscheidung obliegt weiterhin dem Bezirk) und zugleich zur Verantwortung gezogen. Es obliegt ihm Projektideen vorzuschlagen und sich ggf. im QR zu engagieren.

Das klingt auf der einen Seite nach mehr Mitbestimmung für Anwohner, die quasi als Vor-Ort-Experten am besten wissen müssten, wo die Defizite im Bezirk liegen und wie man ihnen begegnet. Auf der anderen Seite unterliegt der Maxime der Hilfe zur Selbsthilfe in diesem Fall immer der Gedanke, dass es bei Misserfolgen oder der Verschlimmerung der Problemlagen im Kiez, dem Unvermögen der Bürger geschuldet ist, keine adäquaten Lösungsansätze zu entwickeln.

Äußerst kritisch betrachtet, könnte man diese neue Form der Bürgerbeteiligung also auch als Problemabwälzung von eigentlich in der Verantwortung des Staates liegenden Aufgaben auf Anwohner und Quartiersmanager verstehen.

Auf die Aufgaben des QM Magdeburger Platz angesprochen, entgegnet Quartiersmanager Jörg Krohmer, dass“ das Quartiersmanagement Magdeburger Platz neun Handlungsfelder hat, in denen es tätig wird. […] Beschäftigung soll geschaffen werden, indem man das örtliche Gewerbe stimuliert, das Bildungsangebot soll ausgeweitet werden. Es wird eine bessere Qualität des Wohn- und Lebensraums angestrebt durch die Beseitigung von Baumängeln, auch die Infrastruktur soll aufgewertet werden, vor allem die soziale Infrastruktur….“.

Allein diese ersten vier Handlungsfelder klingen nach einer Menge Arbeit. „Wir im QM sind drei Leute. Der Michael Klinnert ist der Projektleiter des ganzen QM und kümmert sich um soziale und kulturelle Projekte. Recep Aydinlar ist verantwortlich für Integration und Sprachförderung und meine Gebiete sind die Gewerbeförderung vor Ort, die Sicherheit und die Imageverbesserung.“ so Herr Krohmer. Zugleich sind die Quartiersmanager Anlaufstelle für Bürger vor Ort, haben ein offenes Ohr für deren Probleme und stehen ihnen beratend zur Seite. Außerdem ist „das Projekt soziale Stadt durch seine stärkere Bürgerbeteiligung zur Entscheidung der Verteilung der Mittel sehr verwaltungsaufwändig geworden und jetzt kommt auch hinzu, dass wir die Abrechnung der Mittel und das Monitoring über den Erfolg der Maßnahmen machen müssen.“ Dafür geht dann schon mal ein Drittel der Zeit und mehr drauf.

Im Quartiersmanagement ist man sich der eigenen Schwächen also durchaus bewusst. Auch dass man grundlegende strukturelle Probleme auf regionaler Ebene nicht lösen kann (z. B. strukturelle Arbeitslosigkeit) und dass die Projektförderung auf lange Sicht auf eher wackeligen Beinen steht, da sie für maximal fünf Jahre vom Bund-Länder-Programm Soziale Stadt gewährleistet wird, und anschließend selbsttragend, d. h. von privater Hand finanziert und fortgeführt werden muss. „Erfahrungsgemäß funktioniert das so nicht, weil sich keine Sponsoren für die Projekte finden und sie in der Folge nicht verlängert werden können.“

Nichtsdestotrotz lassen sich QM und QR nicht entmutigen Projekte vorzuschlagen und sie durchzuführen. Und dies mit beachtlichem Erfolg.

Die Ausweitung der Französisch-Sprachlernangebote ist eine solche Erfolgsgeschichte. Bereits vor fünf Jahren wurden an der Fritzlar-Homberg-Grundschule sowie an der Grips-Grundschule französische Arbeitsgemeinschaften eingerichtet. Gleiches gilt für den INA Kindergarten Lützowstraße. Dort wurde französisches Personal eingestellt, welches mit den Kindern auf spielerische Art und Weise die französische Sprache erlernt. Dies ebnet möglicherweise für sie den Weg für das im Bezirk ansässige französische Gymnasium.

Die enorme Resonanz auf die Angebote führte zu deren Ausweitung. Sie haben sich mittlerweile etabliert und sogar Unterstützung durch das Institut Français und die Deutsch-Französische Gesellschaft Berlin e.V. erwirken können.

Eine andere Erfolgsgeschichte ist der Familiengarten in der Kluckstraße. Er wurde unter Beteiligung der Anwohner beplant und erfreut sich reger Beliebtheit, besonders im Sommer. Ausgestattet mit einem Streetsoccerplatz, einem Sandspielplatz, einer Liegefläche, den interkulturellen Gärten, einer Hügellandschaft, einem Grillplatz mit Lehmofen und vielem mehr, lädt der Familiengarten seine umliegenden Anwohner ein zum Spielen, Sonnen, sich Begegnen und Austauschen, zum gemeinsamen Grillen und Feste-Feiern. Damit hat er seinen Zweck voll und ganz erfüllt, nämlich die Anwohner des Kiezes miteinander bekannt zu machen und zu vernetzen, eine soziale Infrastruktur aufzubauen zwischen Menschen, die sich räumlich so nah sind und vielleicht doch nie begegnet wären.

In dieser Hinsicht kann Quartiersmanagement einen wahrscheinlich kaum messbaren Beitrag zur Verbesserung des Klimas innerhalb eines Kiezes und zum Zusammenhalt der dort ansässigen Bewohner leisten. Zumindest solange es engagierte Bürger gibt, denen ihr Umfeld nicht egal ist, die viel ihrer persönlichen Zeit und Kraft investieren, um etwas für die Gemeinschaft zu tun. Solange es solche Bürger gibt, kann der Staat sich erlauben, Probleme abzutreten.