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In Gedenken an Margarete Hirschberg und mit herzlichem Dank an Elisabeth Eres

Am letzten Donnerstag habe ich den Stein zum ersten Mal und  genau gelesen. Es geschah heute vor 76 Jahren. Margarete Hirschberg wählte die „Flucht in den Tod.“ Sie war 59 Jahre alt und am Ende ihres Lebens „gedemütigt/entrechtet“. Ich schreibe diesen Artikel in Gedenken an den Todestag von Margarete Hirschberg, an den Tod ihres Mannes Julius, deportiert im Jahr 1942 und gestorben 1944 in Theresienstadt. Gedanken der Dankbarkeit und Freude verbinden mich an ihre Tochter Elisabeth.

Wie kommt es dazu? Am 14. Februar 2017 erhielt ich eine Email, die einen mir sehr bekannten Ort an der Potsdamer Straße auf einmal mit Leben füllt. „Frau Wosnitzer, guten Tag, ich habe am CP herum gesucht u. Sie mit Ihrem Bericht gefunden. Ich fuehlte, dass ich Kontakt mit Ihnen aufnehmen moechte. Ich weiss natuerlich nicht ob meine Mail ankommt u. Sie ueberhaupt antworten. Ich bin in der Potsdamerstr 159 geboren. Dort lebte ich bis 1937, denn mit 20 Jahren verließ ich Berlin. Meinem Vater gehoerte die 1898 gegruendete Apotheke. Sehen Sie sich mal dort die Einrichtung an. Alles ist im Orginal erhalten,wie der 1.Inhaber es eingerichtet hatte. Die Apotheke am Sportpalast ist eine der Wenigen, die sich nicht modernisiert hat.“

Die Absenderin schrieb noch weitere Details und schloss „Ich hoffe, es geht Ihnen gut, herzlichst Lis Eres, geb. Elisabeth Hirschberg“

Drei Tage später schrieb ich zurück und erhielt bereits am nächsten Tag eine Antwort. „Liebe Frau Wosnitza, danke fuer Ihre Antwort. Ich war 2010 in der Apotheke, vielleicht ist von der Belegschaft noch jemand der sich erinnert. Ich habe 2 Stolpersteine fuer meine Eltern vor der Apotheke verlegen lassen.

E-Lis-abeth Eres, aufgewachsen in der Potsdamer Straße 159

Versuchen sie in das Hinterhaus zu kommen. Es war im 18. Jahrhundert eine Perdehaltestelle u. die Kutschen nach Potsdam machten dort Pause. Das Haus wurde aus roten Steinen gebaut. Vielleicht heissen sie Klinkersteine? Wir wohnten im 3. Stock, der heute nicht mehr existiert. Sollten Sie mehr ueber die Geschaefte zwischen Alvensleben u. Pallasstr hoeren [wollen], so erinnere ich mich an Vieles.

Im Hinterhaus lebte eine Familie mit 9 Kindern. Der Vergoldermeister Walter Gohlke. Er hat nach dem Krieg mit 1 Sohn die Siegessaeule vergoldet.

Von den 3 Toechtern war eine meine beste Freundin. Die Familie nahm mich mit viel Liebe bei meinem 1. Besuch 1949 bei sich auf. Sehr viel spaeter bekam meine Freundin in der Buelowstr. eine Wohnung zugewiesen. Wir sahen immer in die Zuege, die Wohnung war im 1. Stock. Der Aufgang war aus Marmor, bei allen meinen Besuche wohnte ich bei ihr.“

Ich verneige mich tief vor  Elisabeth und ihrem Engagement der Kontaktaufnahme und verweile bei meinen vielen Gedanken. Wie konnte es die Familie an diesem Ort der Potsdamer Straße aushalten, wo doch die Nationalsozialisten den Sportpalast gegenüber sofort nach der Machtübernahme ihrer Propagandamaschine einverleibte? Gut, dass Elisabeth Hirschberg schon so früh Berlin verließ. Wer wohnte noch in dem Haus und wie verhielten sich diese Nachbarn? Was geschah mit der Apotheke in der Progromnacht? Und und und.

Gestern erhielt ich wieder eine Email. „Liebe Frau Regine, Sie entschuldigen bitte, wenn ich Sie nur mit dem Vornamen anspreche. Es ist hier so ueblich u. drueckt auch eine naehere Verbindung aus, die Sie mit Ihrer Antwort geschaffen haben. Vielen Dank.

Haben Sie die Einrichtung in der Apotheke beachtet?Die Tischlerarbeit findet man heute nicht mehr.

Ich habe nichts dagegen [dass Sie mich in einem Artikel erwähnen].

Ich habe meine Erinnerungen vor einigen Jahren festgehalten. Ich schicke sie, vielleicht bekommen Sie dadurch mehr Ueberblick. Ich danke Ihnen fuer Ihre warmen Worte, die Sie fuer den 28. Februar ausgesprochen haben. Herzlichen Gruss Lis.

 

 

Von Herzen Danke Lis, für das Vertrauen. Ich freue mich auf Ihre Erinnerungen. Ihre Geschichte und die Ihrer Familie werde ich in Ehren halten.