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„Wir müssen uns vergegenwärtigen, wer das Hausrecht hat.“

Carsten Spallek is not amused.

Der Bezirksstadtrat möchte gerne über seine letzte Erfolgsgeschichte in Tiergarten-Süd plaudern. Vor einem Jahr – kurz vor der Berliner Senatswahl – hatte er den langersehnten Zaun um den Magdeburger Platz eröffnet. Die Gießkanne und Schäufelchen, die ihm damals die AG Magdeburger Platz des Stadtteil-Forums Tiergarten-Süd überreichte ständen bei ihm zu Hause, erzählt er, und erinnerten ihn immer wieder daran, wie er als damaliger Bezirksrat für Bezirksstadtrat für Stadtenwicklung, Bauen, Wirtschaft und Ordnung hier Gutes her gebracht hätte.

Die Moderatorin unterbricht in sanft. Nun sei ein Jahr später, er – Carsten Spallek – sei inzwischen Stadtrat für Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Schule, Sport und Facility Management sowie zuständig für die Zentrale Vergabestelle. In dieser Funktion sei er zum Stadtteil-Forum eingeladen, ein Kennen lernen soll sein. Der Paul-Gerhardt-Raum ist mit über 30 Forumsmitgliedern und Besucher*innen gut gefüllt. Und dann ist sie da – die Allegro-Grundschule und sie wird zum Hauptthema an diesem Abend Anfang September 2017. Übrigens ist es wieder kurz vor einer Wahl. Dieses Mal im Bund. Das ist aber Zufall.

Ihnen sind Kinder ein hohes Gut
Katja Kaba, Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Allegro-Grundschule, erhält das Wort. „Es ist viel Bewegung und das ist gut,“ schickt sie voraus. Sie redet ruhig und mit Bedacht. Kurz vor den Sommerferien, sei plötzlich das Erdgeschoss gesperrt worden. Die Kinder hätten in den letzten drei Tagen des Schuljahres nachmittags nicht mehr betreut werden können. Dass mit dem lang verhandelten Einzug der KiTa Maulwurf Umbaumaßnahmen anständen, hätten sie gewusst, doch wann es soweit sei, diese Information hätte sie nur sehr kurzfristig erreicht. Eine Umzugsfirma sei gekommen, um die Möbel, die die Lehrer*innen und Schüler*innen nicht selbst transportieren konnten, umzuräumen. Die Volkshochschule sei auch wieder eingezogen. Ja und der Computerraum und auch der Serverraum seien nun verschlossen. Es könnte sein, dass die Schule nun ohne Internet auskommen müsse.

Die Berechnung des Schulentwicklungsplan (2,1 Züge) sei falsch, es seien 2,74 Züge. Die Pläne für den Umbau, noch aufgestellt von der Vorgängerin Sabine Smentek seien im Bezirksamt verschwunden. Es gäbe jetzt auf einmal drei Räume weniger. Daraufhin hätte das Bezirksamt kreativ gerechnet und auf einmal seien die notwendigen Raumgrößen verkleinert worden, so dass auf einmal Räume als Klassenräume gälten, die vorher nicht gezählt worden seien.

Wir begrüßen, dass sich der Bauleiter bei der Schulbegehung im Juli viel aufgeschrieben hat,“ sagt Frau Kaba. „Doch wir würden uns auch freuen, wenn wir nähere Erläuterungen darüber bekämen, ob es einen Zeitplan gibt.“ Der Bauleiter hätte zu bedenken gegeben, dass die Geschwindigkeit des Umbaus sich verzögern können. Dies hänge von der Schulelternschaft ab.

Ich werde hellhörig. Was ist damit gemeint? Eine Arbeitsbeschreibung à la, dass im BA nicht gearbeitet werden könnte, wenn ständig Fragen von den Eltern kämen? Ein Hinweis nun mal Ruhe zu geben. Ich sinniere darüber etwas vor mich hin.

Fläche ist ein wichtiger Rohstoff geworden
Derweil bedankt sich Herr Spallek über die Erwähnung, dass das Bezirksamt und auch er schon mehrfach in der Schule gewesen sei mit verschiedenen Vertreter*innen. Die Schule bekäme mehr Aufmerksamkeit als jede anderen Schule. „Wir haben dasselbe Ziel,“ sagt er, „aber unterschiedliche Rahmenbedingungen. Wenn dann behauptet wird, man sei nicht in Kontakt, dann möchte ich das klar und deutlich zurückweisen. Ich finde es auch nicht okay, wenn dann die Umzugsfirma an der Arbeit behindert wird, erzeugt das Stress und Mehrkosten.“

Herr Spallek spricht von gemessenen und gefühlten Temperaturen, von unterschiedlichen Raumberechnungen. „Natürlich haben sie gefühlt nicht genug Räume, wenn sie Räume abgeben müssen. Doch ob die Anzahl der Räume zu wenig oder angemessen ist, das bestimmt die Schulaufsicht und das ist die gemessene Temperatur. Fläche ist ein wichtiger Rohstoff geworden.“

Er liest aus einem Brief vor, dass der Schulserver in den Ferien verlegt und wieder angeschlossen werden solle. „Es soll noch mal geschaut werden, wie Räume zusammen gelegt werden können. Ich kann mich nur auf das Schulamt beziehen, da kann ich nichts machen, wenn dann auch noch die Senatsverwaltung sagt, dass die Flächen ausreichend sind. Das ist das, worauf ich mich stütze.“

Kommunikation ist manchmal Zuhören ohne zu Hören
Eine Mutter meldet sich zu Wort und bekennt sich, eine Teilnehmer*in an der Behinderung gewesen zu sein. 5 Minuten hätten sie auf der Treppe gestanden, die Umzugsleute hätten derweil eine Zigarette geraucht. Das sei wohl keine wesentliche Störung des Ablaufes gewesen.

Andere Eltern weisen das Argument zurück, dass es anderen Schulen noch schlechter ginge. Oder dass woanders Container stehen und die Schüler*innen aus noch schwierigeren Verhältnissen kämen. Sie weisen darauf hin, dass wir in einem reichen Land wohnten, wo eine gute Schulbildung und Bildungstk doch für alle möglich sein sollten. Außerdem seien auch hier an der Schule die JÜL Klassen mit 26 Kindern so eng besetzt wie an anderen Schulen. Sie seien da alle im selben Boot und würden sich auch gegenseitig unterstützen. Ob es keine Möglichkeit gäbe, den Mangel besser zu verwalten?

In den vielen Jahren, die ich die Schule nun begleite ( von der Fusion Grips- und Fritzlar-Homberg-Schule zur Allegro-Grundschule), den Gesprächen bezüglich der Verkleinerung und des Einzugs der Kita-Maulwurf, den unzählichen Hiobsbotschaften bezüglich Umbauten, Toilettenstrangsanierung und v.m. habe ich begonnen die Allegro-Menschen – von der Schulleitung über Kollegium zu Erzieher*inne zu Eltern mit Schüler*innen – zu bewundern. Dass sie trotz all diesem den Schulalltag nicht nur abwickeln, sondern auch noch viele wertvolle Projekte durchzuführen, Musik, Kunst und Lesen nicht zu kurz kommen zu lassen. Diese Menschen halten sich doch hier täglich auf, denke ich, sie müssen doch wissen, ob Räume zu groß, zu klein, passend für Schulunterricht, für Betreuung oder für Musikunterricht sind. Ich habe den Eindruck, dass das Bezirksamt zwar hört aber nicht zuhört.

Und dann sagt er Herr Spallek diesen Satz. „Wir müssen uns vergegenwärtigen, wer das Hausrecht hat.“

Ich höre diesen Satz als Drohung und sage das auch. Und ich schlage vor, dass der Herr Spallek doch mal einen Monat in der Schule arbeiten solle. Der Vorschlag kommt auf keiner Seite gut an. War ja auch nur eine Idee!

Die Moderatorin zeigt Empathie. Herrn Spallek stände ja wirklich mit dem Rücken zur Wand. Er spricht von Highlander Thematik (?), wiederholt den Begriff Schulplatztsunami, der auf Berlin zukomme, für den er schon vor Wochen kritisiert wurde. Sagt, das mit dem Hausherren sei keine Drohung, kein Downsizen, sondern schlichtweg eine Tatsache. „Sparen bis es quietscht, das sind alles Altlasten,“ sagt er. „Ich habe gelernt, dass Sparen etwas anderes ist als Streichen. Ja es geht um intelligentes Flächenmanagement. Ich habe gelernt, dass die Schülerzahlen steigen. Ich muss versuchen, rechtzeitig die Räume zur Verfügung zu stellen. Schulbau dauert 5 – 8 Jahre. Sagen sie mir später nicht, ich habe beschwichtigt.“

Stadtteilkoordinator Michael Klinnert sieht es anders. „Es geht doch nicht darum, die Mangelsituation weiter zu verwalten. Sondern in Richtung Qualität zu gehen. Es gab die Zusammenlegung der beiden Grundschulen, viel Streit um Bedarfszahlen und Flächenrechnungen. Das haben die Leute hier schon damals damals nicht verstanden. Qualität sollte unsere Zielrichtung sein, besonders bei der Schule. Diese Schule kommt überhaupt nicht zur Ruhe, weil sich ständig etwas verändert. Wir wollen, dass Eltern hier aus dem Quartier ihre Kinder einschulen.“

Und dann kommt mehrmals ein Hinweis von Herrn Spallek, der unbedingt hier dokumentiert werden muss. Der Hinweis darauf, dass doch vielleicht im Lernhaus noch Raummöglichkeiten seien. Nicht sofort, aber vielleicht später. Wenn denn die gemessene Temperatur ebenfalls steigt.

Schulanfang 2017/2018
In der Sitzung der AG Schule im Quartier des Stadtteil-Forums Tiergarten-Süd berichtet Schulleiterin Flemig, dass die Umbaumaßnahmen im Gange seien, doch kaum zu merken sind. „Bisher gibt es keine Lärmbelästigung, denn das Lernhaus ist direkt gegenüber, nicht die Klassenräume. Bisher gab es noch keine Klagen. Die Baucontainer und das Gerümpel, dass ausgeräumt werden musst, ist weg vom Hof. Und ansonsten ist die Tür jetzt halt zu. Wir bekommen nichts mit.“

Das etwas passiert, dass gebaut sei, dass sich die Situation wieder einmal ändere sei zu akzeptieren. Schwierig sei der Schwebezustand.

Chapeau vor dieser Gelassenheit.

Das Lidl-Bike – grüne Welle auf der Potsdamer Straße

Gestern gegen 20.30 Uhr fuhr die Critical Mass von Norden her kommend auf die Potsdamer Straße ein. Die BesucherInnen des Gallery Weekends fanden das sehr unterhaltsam. Die abbiegenden Autofahrer – darüber gibt es keine direkten Zitate . Auf jeden Fall hatten die RadfahrerInnen nicht nur den nicht vorhanden Fahrradweg, sondern eine gesamte Fahrspurseite in der kompletten Länge für einige Zeit mit grüner Welle auch bei Rot für sich. Weiterlesen

„Verooonika, der Bagger ist da“ – Familiengarten Kluckstraße in Not

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Vorabmeldung: Am Donnerstag, den 14. April zwischen 10 und 16 Uhr wird auf dem Gelände gegärtnert bzw sind GärtnerInnen dabei, das Grün vor dem Baggern zu retten. Wer dabei helfen möchte, geht am besten direkt dorthin und packt an, wo es etwas zu tun gibt. 

Es ist ruhig, dafür, dass wir uns mitten in Berlin befinden. Der Familiengarten in der Kluckstraße ist ein kleines grünes Idyll. Am Zaun hängen Schilder mit Aussagen wie „Wir gärtnern ohne Torf.“ Da juckt mein nachhaltig interessiertes Näschen und ich tauche ab ins langsam aufblühende Grün und lasse die Großstadt hinter mir. Nichts scheint diesem Ort etwas anhaben zu können. Weiterlesen

Häuser als Zeitzeugen

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute sind die StudentInnen des HU-Career Center 2017 für eine erste Begegnung im Gebiet. Sie werden hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjar 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1
Jetzt folgt Artikel Nummer 2

Von HU-Gastblogger Lukas Grimm.

La Belle Epoque, Plattenbauten und ein „urbanes Wohnensemble“ befinden sich hier im Kiez. Am urbanen Wohnensemble wird zwar noch geschraubt, aber nicht mehr allzu lange. Miteinander verglichen, stellen das Maggihaus in der Lützowstrasse, das Pallasseum an der Potsdamerstrasse und die Neubauten in der Flottwellstraße eine bunte Mischung aus verschiedener Architektur dar.

Viel interessanter allerdings: Die jeweiligen Gebäude spiegeln vor allem auch sozialen Wandel wieder und geben historische Einblicke preis, die das Hier und Jetzt relativieren. Weiterlesen

Gut gewappnet in Rot und ohne Binnen-I

VdBK_2017_02a29 Künstlerinnen, 62 Kunstfreundinnen und 5 männliche Unterstützer trafen sich vor 150 Jahren und 4 Tagen und gründeten den Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin. Name ohne Binnen-I.

Wir sind hier sechs Künstlerinnen zusammen getreten, die den Kern eines Vereins bilden wollen, der den Zweck hat: den vereinsamten ganz allein stehenden Schwestern in der Kunst hier in Berlin eine gemeinsame Heimath zu schaffen, den jungen anstrebenden Talenten mit Rath u. That beizustehen u. Ihnen eine Stütze zu sein u. denen, die in Noth geraten durch Darlehen oder Stipendien zu helfen …“, hatte Vereinsgründerin Clara Heinke kurz zuvor an Ottilie von Goethe, Schwiegertochter Johann Wolfgangs, geschrieben. (Katalogseite 41/42) Weiterlesen

Nach 100 Jahren verblassen die Farben

Gerüste bedeuten dieser Tage nichts Gutes. Eine Leiter ist vielleicht noch zu ignorieren. Aber Gerüst und Container!

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Und dann noch ein Ausverkaufsschild. Alarmstufe rot !

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Eigentlich unbegreiflich, dass dieser Laden ab dem 1. Januar 2017 nicht mehr da sein soll. Seit 1968 – also seit fast fünfzig/50 Jahren = 5 Jahrzehnten  – gibt es ihn hier an dieser Stelle. Den Malereibedarf Fron in der Kurfürstenstraße 24. Weiterlesen

Kiez – Scheibenwischer Infodienst

Was Politik und Presse nicht sagen, finden Sie hier

Gebrauchsanweisung:
1. Herunterladen (pdf) und Ausdrucken
2. Kopieren
3. Zuschneiden A6 =Postkarte; machen die im Kopierladen

4. Verteilen an Scheibenwischer, Gepäckträger, Briefkasten, Kneipe etc.

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Auf der Suche nach Entspannung – „Yoga-Guide“ für den Kiez

Von HU-Gastbloggerin Nina

Verkehrsschlagader, neue und traditionsreiche Läden, Straßenstrich, Kunst-Hotspot auf dem Sprung zur Gentrifizierung – auf der Potse ist viel in Bewegung, es herrscht großstädtische Vielfalt und Hektik, aber wo und wie kommt man hier mal zur Ruhe?

Wer innehalten und durchatmen möchte, den ganzen Trubel einmal ausblenden will und das – wie ich – am liebsten auf der Yoga-Matte tut, braucht ein bisschen Geduld, bis er den passenden Ort dafür findet. Weiterlesen

Auf eine frische Minz-Limo ins „Cafe Eule“

Von HU-Gastbloggerin Marleen

Der Frühling steckt in den Startlöchern und was gibt es da Schöneres als die ersten Sonnenstrahlen in den zahlreichen Parks und Gärten Berlins zu genießen. Ein ganz besonders schönes Sonnenplätzchen ist das „Café Eule“  im Westteil des Parks am Gleisdreieck.

eule1.2Etwas versteckt, abseits der asphaltierten Wege, befindet sich der zum Café umgebaute Container, aus dem heraus die Betreiberin Kristiana Elig und ihre Mitarbeiter täglich herrlich leckeren italienischen Kaffee sowie zahlreiche hausgemachte Leckereien verkaufen. Weiterlesen

Jörg Borchardt

Von HU-Gastblogger Lukas Grimm.

Eine normale Woche sieht in etwa so aus: Ich habe 4 bis 5 meetings zu Tageszeiten und 3 bis 4 an Abenden.  Aber es gibt natürlich keine geregelten Arbeitszeiten.“ Jörg Borchardt, 73, ist einer von 4 Vorstandsmitgliedern bei

Foto J+Ârg Borchardtder Fipp e.V. Seit 2001 vertritt er ehrenamtlich den Verein und seine 700 Beschäftigte, wobei „unsere Aufgaben eher denen eines Aufsichtsrates entsprechen“.

Ganz nebenbei ist Jörg Borchardt auch Mitglied im Quartiersrat Tiergarten Süd. „Wir entscheiden mit dem Quartiersmanagement, wie wir die Fördermittel für Tiergarten Süd am besten einsetzen können. Wir schauen allerdings auch außerhalb dieses Rahmens, wie wir uns für den Bezirk stark machen.“ So hat der Quartiersrat zum Beispiel verhindert, dass ein Laufhaus an der Kurfürstenstraße Ecke Potsdamer Straße eingerichtet wird und dass anstatt eines Parkhauses Wohnungen an der Genthiner Straße Ecke Kurfürstenstraße gebaut werden.

Der gebürtige Kreuzberger zog 1971 in die Derfflingerstraße. Seit 44 Jahren residiert er nun schon dort in „verschiedenen Konstellationen“, wie er meint. Nach der Schule machte Jörg Borchardt eine Ausbildung zum Chemotechniker und arbeitete auch 12 Jahre lang in der Industrie bis er plötzlich seinen Beruf abbrach, um das Abitur nachzuholen. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, man konnte bis zum 35. Lebensjahr Bafög beantragen und ich war damals 34 Jahre und 11 Monate alt. Das trug auf jeden Fall zu meiner Entscheidung bei,“ erzählt er mit einem Lächeln.

Nach dem Abitur folgte das Lehrerstudium für Chemie und Arbeitslehre. „Danach arbeitete ich bei dem Berufsfortbildungswerk und habe Erwachsenenbildung gemacht, vor allem im Bereich Umwelttechnik.“ Wenig später fing Jörg Borchardt parallel an, für eine Beratungsgesellschaft Förderprogramme zu Umwelt und Arbeitsförderung zu bearbeiten. „Ich kam über das Berufsfortbildungswerk dazu“ und mit der Zeit gab es dann immer mehr Förderprogramme, überall in Berlin, die er zu bearbeiten hatte.

Auf die Frage, was ihm wichtig sei, meint Jörg Borchardt „Die Benachteiligung anderer beschäftigt mich sehr.“ Sein soziales Engagement wurde 2010 auch öffentlich anerkannt als ihm der Ehrenamtspreis verliehen wurde. „Das war eine schöne Überraschung, aber mehr auch nicht“ meint er und winkt ab.

In seiner Freizeit ist Jörg Borchardt passionierter Radfahrer und begabter Handwerker. Ob Winter oder Sommer, er fährt fast alles mit dem Rad sowohl in Berlin als auch im Urlaub, wenn er zum Beispiel Freunde in Spanien besucht. Sein Talent für Handwerksarbeiten kann man an den Lehmöfen im Familiengarten in der Kluckstraße 11 erkennen.

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität