Schlagwort-Archiv: Wohnen

GartenPlausch im Schöneberger Norden

von HU-Gastblogger Uwe

WASSER UND ERDE FÜR DEN SCHÖNEBERGER NORDEN

Graphik: gruppe F

Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es den „GartenPlausch“ im Schöneberger Norden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich KiezgärtnerInnen in der Kiezoase Steinmetzstrasse 68, um zu fachsimpeln, sich erste Informationen zu holen oder sich zu vernetzen. Organisiert werden diese Treffen von der gruppe F, die das Projekt GartenAktiv bis Ende 2018 durchführt.

,,Genüssliche Verführungen“
Der Tagungsraum ist ansprechend mit kleinen lukullischen Genussmöglichkeiten, wie verschiedenen Keksgebäck,  schmalen Käsestangen, Kaffee und Tee, Wasser und Saft  ,,verführerisch“ ausgestaltet worden. Bereits jetzt vermittelt sich mir hier eine angenehme fast heimische Atmosphäre. Da mir noch etwas  Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung bleibt, spreche ich kurz mit Frau Walther: ,,Die gruppeF hat ja einige Projekte in Berlin, an denen sie organisatorisch beteiligt ist, es sind momentan 3 gärtnerische Projekte  wie u.a. das Projekt Brunnengärten im Weddinger Brunnenviertel sowie ein weiteres Gemeinschaftsgarten-Projekt in Staaken.“

Der Sitzungsraum füllt sich gegen 17 Uhr sehr rasch, der Andrang ist so groß, dass die vorhandenen Sitzgelegenheiten zu Beginn der Veranstaltung nicht ausreichend sind. Mehr als 15 Personen – Anwohner und ehrenamtlich Aktive – nehmen an dem Gartenplausch teil.

150 grüne Orte im Schöneberger Norden – kartiert von der Gruppe F für das Projekt Gartenaktiv

Unter den Anwesenden sind auch zwei Mitarbeiterinnen der  Gewobag MB, die für den dortigen Bereich im Schöneberger Norden als Wohn/Hausverwaltung zuständig sind. Zum einen  ist es Frau Silke Jensen, von der Mieterberatung der Gewobag, zum anderen ist es Frau Brigitte Naumann, die zuständige Kundenbetreuerin  der Gewobag für diesen Bereich des Schöneberger Nordens.

Das heutige Hauptthema lautet: Wasser sammeln /gewinnen mit der Gewobag und der gruppe F

Nach den gemachten Erfahrungen der letzten Jahre mit einer, immer wieder aufkommenden Wasserknappheit in warmen Sommermonaten ist seit längerem der Wunsch der Anwohner präsent, für die Pflege von Hoch-Beeten und sonstigen Grünpflanzen und Gemüseanbau,  alternative Bewässerungs-und Wassersammlungsmöglichkeiten zu entwickeln bzw. neue Möglichkeiten nachzufragen. Dabei geht es heute konkret um die Aufstellung von ,,Regenwassertonnen“.

Entstehende Problematiken
Hier treten sogleich erhebliche Probleme auf. ,,Die Gewobag hat mit dieser Art von Projekt noch relativ wenig Erfahrung,“ bemerkt Brigitte Naumann. ,,Auch muss die technische Machbarkeit und die Wartungsverantwortung für diese Wassertonnen für die Erfordernisse der Gewobag –Hausverwaltung sicher gestellt werden.“

Zu beachten ist hierbei unter anderem, dass die Regen –bzw. Wassertonnen nach oben hin nicht offen sein dürfen, da darin dann kleine Kinder verunfallen könnten. Auch müssen diese Tonnen auf versickerungsfähiger Fläche stehen und mit einem Fallrohranschluss an der Hauswand angebunden sein.

Klar, dass die Gewobag generell bereit ist, zur Aufstellung von Wassertonnen. Voraussetzung ist jedoch auch die technische Machbarkeit und das Sicherstellen, wer für die Wassertonnen verantwortlich sein wird. Eine Veranstaltungsteilnehmerin fragt nach, ob die Wassertonnen auch vor dem Haus auf dem Bürgersteig stehen könnten? Die Antwort erfolgt prompt, dass die Aufstellung von Regen-oder Wassertonnen auf der Straße durch die Gewobag aufgrund der Sicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum und der erhöhten Vandalismusgefahr keine Zustimmung erhalten kann.

Wasser marsch?
In der Gruppe beginnen nun Diskussionen über die Möglichkeit der Installierung von Wasserhähnen an den Gebäudewänden. Leider sind auch hier die technischen Voraussetzungen nicht unerheblich. Frau Naumann von der Gewobag weist daraufhin, dass bereits viele existierende Wasserhähne zurück gebaut werden mussten.

Gemeinsam mit den ExpertInnen von der gruppeF werden dann weitere Informationen gegeben. Bei der Nutzung von Außenwasserhähnen am Haus müssen diese mit einem notwendigen Wasserrücklaufstopp ausgestattet sein, aufgrund der Legionellen–Gefahr. Denn bei „toten Ecken“ im Wassersystem, wo abgestandenes Wasser verbleibt, besteht die Gefahr, dass sich diese gefährlichen Bakterien bilden. Das Wasser muss also immer im ,,Fluß“ sein. Ein Rücklaufstopp ist notwendig. Auch wird der Einbau von Wasserzählern empfohlen, denn sonst werden die Kosten für’s Blumengießen auf die gesamte Hausgemeinschaft umgelegt. Die entsprechenden Kosten für die regelmäßige Wartung müssten von der gärtnerisch aktiven Nutzergruppe getragen werden.

Ein Teilnehmer stellt resümierend fest, dass die Gewobag generell zum Aufstellen von Regenwassertonnen bereit, soweit die technische Machbarkeit und deren Verantwortung für die Tonnen sicher gestellt werden kann. Die Vertereterinnen der Gewobag und der gruppeF versichern, dass sie diesbezüglich in Kontakt bleiben werden, um die Modalitäten zu klären. Alle Beteiligten sind daran natürlich interessiert und wollen selbst auch am Ball bleiben. Das Thema des effektiven Wassersammelns wird weiterhin ein wichtiger Gesprächspunkt bleiben.

Neben ein paar kleineren anderen Thematiken kommt es zu einem weiteren für mich interessanten, überraschenden, weil nicht angekündigten  Thema: Der Beschaffung und Verwendung von Pflanzenerde. Aber! Wer braucht denn jemals so viel Erde?

Einige der Teilnehmer erwähnen zu Beginn: Den groben Kompost, der aus Grünschnitt des Straßen- und Grünflächenamtes hergestellt wird, kriegen wir ja unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Qualität reicht aber nicht für den Anbau von Nutzpflanzen aus. Letztes Jahr hatten wir ja bereits einen größeren Umfang an Erde aus Aktionsfonds-Mitteln erhalten.“

Lieferung von 5 Tonnen Erde auf einem nur 3,5 Tonnen  tragenden LKW
,,Es wurden uns ja im letzten Jahr  mit einem 3,5 Tonnen LKW  ganze 5 Tonnen zu verwendende Erde geliefert,“ merkt ein Veranstaltungsteilnehmer an. Ich bin ziemlich beeindruckt von der angegebenen  Menge und kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie diese Massen an Pflanzenerde Verwendung finden können. Und ob nun wirklich so viel Erde verbraucht werden kann?

Kurz darauf werde ich jedoch diesbezüglich von zwei Anwesenden eines Besseren belehrt: ,,Zu Beginn dachten wir, es sei uns sehr viel Erde geliefert worden,“ sagt eine Gärtnerin. Doch dann sei es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.

Neuer Bedarf für 2017: Ganze 15 Tonnen Erde!!
Diesmal liegt der Bedarf allein für diese Initiative locker bei circa 15 Tonnen Erde für das Jahr 2017. Das bedeutet 300% Mehrbedarf, gar nicht schlecht! Im Anschluss wurden von den anwesenden Gärtnern bereits Wünsche für die diesjährige Oberboden-Lieferung an das Projekt GartenAktiv gesammelt. Als spätester Liefertermin für die Erde wurde der 12.05.2017 genannt.

Auch gab es an diesem Diskussionsabend noch weitere sehr interessante Themenschwerpunkte, wie das Durchführen von Bodenproben in bestehenden Beeten sowie die Qualität der gelieferten Erde. Viele Gärtner wollen wissen, ob der Oberboden ,,schadstoffbelastungsfrei“ für den Gemüseanbau verwendbar ist oder aber wie man auch die Herstellung von hochwertiger Pflanzenerde selbstständig in Angriff nehmen kann, z.B. durch das sog. „Kon-Tiki“ System.

Ebenso wurde angesprochen, in wieweit es Pflanzenarten gibt, die wenig Pflege und Wasser benötigen wie z.B. Steppengräser, Lavendel oder auch spezielle Züchtungen. All diese Themen werden zu einem am 13. April beim nächsten GartenPlausch aufgegriffen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Cnters an der Humboldt Universität zu Berlin.

Häuser als Zeitzeugen

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute sind die StudentInnen des HU-Career Center 2017 für eine erste Begegnung im Gebiet. Sie werden hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjar 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1
Jetzt folgt Artikel Nummer 2

Von HU-Gastblogger Lukas Grimm.

La Belle Epoque, Plattenbauten und ein „urbanes Wohnensemble“ befinden sich hier im Kiez. Am urbanen Wohnensemble wird zwar noch geschraubt, aber nicht mehr allzu lange. Miteinander verglichen, stellen das Maggihaus in der Lützowstrasse, das Pallasseum an der Potsdamerstrasse und die Neubauten in der Flottwellstraße eine bunte Mischung aus verschiedener Architektur dar.

Viel interessanter allerdings: Die jeweiligen Gebäude spiegeln vor allem auch sozialen Wandel wieder und geben historische Einblicke preis, die das Hier und Jetzt relativieren.

Das Maggi Haus
La belle Epoque und Maggi. Passt das zusammen? Anscheinend schon, denn im Jahre 1911 baute das damalige schweizer Unternehmen in der Lützowstrasse 102-104 ein neues Fabrikgebäude. Auch heute noch können sich die Fassade mit ihren vielen Skulpturen sowie die großen Höfe im Inneren blicken lassen und schaffen Einblicke in die damalige Zeit.

Collage – potseblog

La belle Epoque bezieht sich typischerweise auf die Jahre 1871 bis 1914, eine Zeit des Friedens geprägt von Optimismus, Fortschritt und Kultur innerhalb Europas. Für Berlin war dies die Zeit des Umbruchs. Aus der chaotischen Stadt, die dank der Industriellen Revolution aus allen Nähten platzte, wurde durch Eingreifen der Regierung eine Stadt der Moderne. Einerseits sorgten Museen und Theater für kulturelle Entwicklung. Andererseits wurde dank der Arbeiterbewegung die Industrie stark sozialisiert, worüber sich die Mitarbeiter Maggis vermeintlich gefreut haben.

Das Pallasseum
Wohnmaschine. Der Sozialpalast. Städtebauliche Katastrophe. Das Pallasseum. Es hat viele Namen, die meisten von ihnen schwer als Kompliment zu interpretieren. Gebaut in den Jahren 1973-76 war das Pallasseum als „zukunftsweisende Alternative zum Altwohnbaubestand“ gedacht. Ein Testament des Wiederaufbaus Berlins durch Gastarbeiter.

Es verfügt über 514 Wohnungen, von denen allerdings 1998 ein Viertel leer standen. Hauptgrund der Verwahrlosung dieser Wohnmaschine war vor allem die Umsetzung des Besetzungsrechts, welches zu „Fehlentwicklungen in der Mieterstruktur“ führte. Diese wiederum führten zu fehlenden Investitionen sowie Verbreitung von Kriminalität und Drogen. Es kam so weit, dass in politischen Gremien der komplette Abriss diskutiert wurde.

Erst 1998 gelang der Verwaltung in Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern und Quartiersmanagement ein Neuanfang. Umstrukturierung der Mietstruktur, Sanierungsinvestitionen in Höhe von 6,5 Mio. EUR und soziale Projekte haben es letztendlich ermöglicht, das Pallasseum mit seiner bunt gemischten Gemeinschaft zu erhalten.

Flottwell Living
Wer „Flottwell Living“ googled, wird schnell fündig. Sechs verschiedene Stadthäuser werden hier aus dem Boden gestampft. Direkt am Gleisdreieck-Park gelegen fangen Quadratmeterpreise bei ca. 3000 Euro an. Insgesamt sind es 270 Wohnungen, wovon 148 als Eigentumswohnungen angedacht sind.

Es schreit förmlich nach Gentrifizierung, wobei 2 Drittel der Wohnungen an Berliner verkauft wurden. Nichtsdestotrotz, die Gegend wird teurer werden. Aber das wird sie ohnehin. Berlin ist eine der beliebtesten Städte der Welt, vergleichbar mit Paris, London und New York. Über 40.000 Menschen ziehen jährlich nach Berlin. Es ist also absehbar, dass der Wohnungsbedarf steigen wird.

Im Endeffekt sollten wir Projekte wie Flottwell-Living willkommen heißen, denn wir werden noch sehr viel mehr von ihnen benötigen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität

 

Back to the roots – Ein Rheinländer auf den Spuren seiner Berliner Wurzeln

Im Gedenken an Matthias Kühnel
Ich war hoch erfreut, dass Matthias Kühnel 2014 zu einem Interview einwilligte und auch, dass dann der unten stehende Artikel über ihn erscheinen konnte. Denn so offen und hilfsbereit und rührig er im Kiez auch war, so wenig wollte er  – außer im persönlichen Kontakt – im Netz über sich preisgeben. Mit Bildern schon gar nicht. Und auch von seiner Laufbahn als Fotograf kann man nicht finden und das nicht nur damit zu tun, dass er sich der analogen Fotografie verschrieben hatte.

Doch fragte man NachbarInnen und seine MieterInnen, dann war viel Freundliches zu hören. Autoverleih, mit Anpacken bei Umzügen oder Reparaturen, Ratten bis in den Gleisdreieckpark bringen, wenn sie bei ihm im Gewerbehof auftauchten. Weiterlesen

Arbeit und Anerkennung im Lützowtopia

Von Gastbloggerin Christine

Im Maggi-Haus in der Lützowstraße liegt das einzigartige „Lützowtopia“, eine Tagesstätte für Menschen mit HIV/Aids oder Hepatitis C, die eine seelische Behinderung haben. Hier dreht sich alles um Menschen, die aus verschiedenen Gründen durch das Netz der sozialen Absicherung gefallen sind. Durch Arbeit und Beschäftigung sollen sie ihrem Leben wieder Struktur geben.

Ein freundliches Lächeln und der Duft von Kaffee – mein Empfang bei Lützowtopia ist perfekt. Karin Waltz, Leiterin der Tagesstätte, sitzt gerade mit ihren Klient_innen beim Frühstück, begrüßt mich und bietet mir etwas zu trinken an. Die Leute am Tisch unterhalten sich ruhig, die Atmosphäre wirkt entspannt. Im Gespräch erklärt mir Karin Waltz, dass das tägliche gemeinsame Frühstück und Mittag zum Programm gehören. Dazwischen finden die diversen Arbeitsgruppen statt. Weiterlesen

Strohauer – Immobilienverwaltung mit sozialem Anspruch

„Komm doch rein. Ich darf doch du sagen?!“ bittet mich eine Angestellte in das Büro der Strohauer Immobilienverwaltung an der Kurfürstenstraße. Mit gleicher Offenheit entwickelt sich schnell ein Gespräch mit der Geschäftsführerin Anna Strohauer. Ganz anders als man sich das mit jemandem aus der Immobilienbranche vorstellt, welche in Berlin eher durch Gentrifizierungswahn, denn durch offene Gesprächsbereitschaft auffällt. Doch schnell wird klar, diese Immobilienverwaltung ist anders als diejenigen, von welchen man im Zusammenhang mit horrenden Mieterhöhungen und Verdrängung täglich liest und hört.

Im Gegensatz zu den meisten Hausverwaltungen, ist der Bestand an Wohnraum auch im Besitz des Familienunternehmens Strohauer. Der Regelfall ist auf dem Immobilienmarkt, dass der Eigentümer eine Verwaltungsgesellschaft mit der Betreuung der Objekte beauftragt. „Dabei kommt es oft zu einem Konflikt zwischen Verwalter und Eigentümer. Während der Eigentümer finanziell das Beste rausholen will, muss die Verwaltung sehen, wie sie selber lukrativ arbeitet“, sagt Anna Strohauer. „Diesen Fall haben wir bei uns nicht. So können wir uns auf die Gebäude an sich fokussieren, ohne großen Profit aus diesen pressen zu müssen.“ Dadurch kann die Verwaltung nachhaltiger arbeiten, was auch den Mietern zugute kommt.

„Wenn sich beispielsweise eine alleinerziehende Mutter in hohem Mietrückstand befindet, versuchen wir zuerst persönlich oder Mittels eines Sozialarbeiters auf sie zuzugehen und eine Lösung zu finden. Der rechtliche Schritt ist für uns das allerletzte Mittel. Das ist bei üblichen Hausverwaltungen oftmals nicht der Fall. Die haben weder die Zeit, noch die Mittel sich um solche Fälle persönlich zu kümmern oder aber kein Interesse daran, wenn Eigentümer vorhaben die Bestände sowieso in absehbarer Zeit wieder zu verkaufen. Wir dagegen haben immer den Anspruch etwaige Probleme sozial verträglich zu lösen“, erklärt Frau Strohauer.

Die aktuelle Mietpreisbremse hält Frau Strohauer für ein Instrument bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen und die steigende Überteuerung zumindest einzugrenzen. Dabei lasse dieses jedoch viele Aspekte unberücksichtigt, so z.B. den Zugang zu dem Wohnraum. Wer den Zuschlag für eine Wohnung bekommt, entscheide immer noch das Einkommen, daran werde auch eine Mietpreisbremse nichts ändern. Für den Strohauer’schen Bestand wird diese jedoch ohnehin nicht greifen, da dieser sowieso nicht massiv über dem aktuellen Mietspiegel neuvermietet wird. Dies geschieht auch aus Eigeninteresse: „Wozu sollen wir die Miete so stark erhöhen, um am Ende Mieter zu haben, die diese nicht bezahlen können und unzufrieden sind. Davon haben auch wir nichts“, sagt Frau Strohauer.

Bei der Vermietung versucht die Hausverwaltung auch die Situation im Kiez mitzudenken und sich über die aktuelle Lage zu informieren. „Wir als Privateigentümer identifizieren uns auch mit der Gegend in der sich unsere Objekte befinden und auch mit den Menschen die dort wohnen. Dementsprechend ist uns deren gute Entwicklung für alle wichtig“, so Anna Strohauer. Letztendlich glaubt sie, ist die Kommunikation zwischen Eigentümern und den Mietern wichtig, um gemeinsam einen Plan zu erstellen, wie sich der Kiez und die Wohnsituation entwickeln soll, so wie dies aktuell im Rahmen des „Quartiersmanagements“ an der Potsdamer Straße stattfindet. Nur so könnten alle den aktuellen Umgestaltungsprozess der Potsdamer Straße konstruktiv mitgestalten. „Mit den meisten großen Gesellschaften wird ein solcher Dialog allerdings schwieriger zu machen sein“, vermutet Frau Strohauer.

Von Hu-Gastblogger Johannes

Nur Lippenbekenntnisse auf der Podiumsdiskussion zum Verkauf der BImA Häuser?

von HU Gastbloggerin Rocio

Eine Revolution hat niemand erwartet – fassbare Ergebnisse schon

GroKa klein 07

Hier in der Großgörschenstraße/ Katzlerstraße stehen die vom BImA Verkauf betroffenen Häuser.

Im PallasT, wo sonst Theater-Aufführungen oder monatliche Trödelmärkte stattfinden, lud der Quartiersrat Schöneberger Norden am 3.September 2014 zu der Podiumsdiskussion  “Bundesadler im Kiezflug”,  zum Verkauf der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) Häuser – Großgörschen Straße 25-27 und Katzler Straße 10-11– ein.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Podiumsdiskussion sind neben den Organisatorinnen Cordula Mühr und Matthias Bauer (QR Schöneberger Norden), auch schon einige Anwohnerinnen da. Diese älteren Bewohnerinnen sind – wie sich später herausstellt – bei weitem nicht leise und wissen genau was sie wollen: konkrete Antworten auf die Frage, wie es um ihren Wohnraum steht.

Anwohnerin trägt Mängelliste vor

Spätestens seit März diesen Jahres sind sie mit anderen engagierten Anwohnerinnen in der Interessengemeinschaft Großgörschen-/Katzlerstraße (GroKa) aktiv: ob auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), mit Protest vor der CDU Parteizentrale, einem medienwirksamen Kiezspaziergang (Video RBB Abendschau), einer Petition gegen Verkauf von Bundesimmobilien– aber die Frist zum Kauf lief ab, und ihnen würde die Chance genommen ihre eigenen Häuser– mit Hilfe der Gewobag– zu kaufen. Nun werden die Häuser zum Höchstgebot von der BImA verkauft, und als Folge sei nun mit der Verdrängung der jetzigen Mieterinnen zu rechnen.

GroKa klein 05

Transparente der Anwohnerinnen zur „sozialen Verantwortung“ des Bundes.

Worum es geht:

Die fünf Häuser gehören dem Bund, werden von der BImA verwaltet, und nun wegen “geringer Auslastung” zum Verkauf angeboten. Dies erfolgt zu dem „vollen Wert“, der nach dem BImA hauseigenen- Verkehrswertgutachten bei 7,1 Millionen liegt. Diesen, als hoch angesehenen Preis, konnte die GEWOBAG als städtisches Berliner Wohnungsbauunternehmen nicht aufbringen. Nun gehen die Häuser an die Meistbietenden. Es erscheint jedoch unmöglich diese dann nach gemeinnützigen Rahmenbedingungen zu bewirtschaften. Möglicher erscheinen teure Luxussanierungen und Eigentumswohnungen. Die Häuser im Schöneberger Norden sind kein Einzelfall. Derzeit stehen von den rund 5.000 in Berlin im Besitz des Bundes befindlichen Wohnungen 1.700 zum Verkauf.

“Nicht lukrativ zu sein, das wäre gut. “

Flyer zum Kiezpalaver am 10.September

Auch Frau L., eine ehemalige Lehrerin und engagierte Crellekiez Anwohnerin, ist schon vor der Tür des PallasT und verteilt Einladungen zum Kiezpalaver – gegen den Kiezverkauf am 10. September im O-TonArt-Theater.

Ihr eigenes Haus stehe schon seit 5 Jahren in Internet zum Verkauf, sei wohl aber uninteressant, da immer noch nicht verkauft. Dennoch könne nicht Jede hoffen, alte sichere Mietverträge zu haben, oder sogar schon “fertig sanierte Häuser”. Vielmehr seien “alle hier im Kiez bedroht: Freunde, Nachbarn, einfach  Alle”. Durch das entstehende neue, teure Eigentum wäre auch schon eine deutliche Veränderung im Crellekiez zu bemerken. Langsam würde er kippen. 

Dennoch steht die engagierte Anwohnerin Veränderung nicht grundsätzlich abweisend gegenüber: manche Neuerungen kämen einer lebendigen Infrastruktur im Kiez zu Gute. Doch würden gleichzeitig Nischen verloren gehen, wie beispielsweise entlang des Wannseegraben zwischen dem Schöneberger und dem Crellekiez, auch Crelle-Urwald genannt. Dort solle jetzt ein Fahrrad-Fernweg gebaut werden, obwohl keine 700 m weiter, an der nächsten Brücke schon einer vorhanden sei.  Freiflächen würden zu betoniert, und die kleinen wilden Parks und Ecken verschwänden.

GroKa klein 03

Auch verändere sich die Bevölkerungszusammensetzung: viele alteingesessene türkisch- oder arabischstämmige Kiezbewohnerinnen würden aufgrund der Mietpreissteigerungen gezwungen zu gehen. Dies zeige sich deutlich auf dem Spielplatz, wo nun fast ausschließlich junge deutsche Familien seien. Aus eigener Erfahrung weiß die ehemalige Leherin, dass dies der Umzug raus aus dem Kiez der letzte, unabwendbare Schritt sei: bevor die türkischen Bewohnerinnen “die Stadt” verlassen –  also an den Stadtrand ziehen – rücken sie zusammen. Das bedeutet dann, zum Beispiel, zu den Schwiegereltern zu ziehen. Sie ist vorsichtig gespannt auf den Ausgang der Podiumsdiskussion.

Mieterhaie unter sich?!

BImA Sprecher Jürgen Gehb und Dr. Jan-Marco Luczak, MdB (CDU)

Für die langsam eintreffenden Politikerinnen der verschiedenen Parteien ist dieser Termin, gleich was sie später auf dem Podium sagen werden, wahrscheinlich ein Termin unter vielen. Für die Mieterinnen der fünf Häuser geht es um einen Teil ihrer Existenz. So verwundert es nicht, daß die überpünktlich beginnende Veranstaltung sehr gut besucht ist- die 150 Sitzplätze sind restlos belegt, es wird sogar gestanden.

mehr als 150 Teilnehmerinnen: Manche stehen sogar

Bis auf den Flur hinaus stehen interessierte Anwohnerinnen.

Protestplakat

An den Wänden haben Aktivistinnen Plakate angebracht. So gut besucht der Saal auch ist, die Publikumszusammensetzung ist leider recht homogen: wenig junge, oder Zuschauerinnen mit Migrationshintergrund.

In den nächsten 2 Stunden folgt eine hitzige Diskussion, die souverän von Moderator Andreas Beckmann gelenkt wird. Es folgen obligatorische Einzelstatements der Politikerinnen, in denen die Verantwortung um den Verkauf der Häuser wie ein Spielball von Bund zu Land und zurück gespielt wird. Der anwesende Senator für Stadtentwicklung Michael Müller (SPD), möglicher Nachfolger Wowereits, wirkt besonders motiviert, aber auch ehrlich in seiner Sorge um die Mieterinnen.

NamensschilderBImA Sprecher Jürgen Gehb hingegen gibt schon zu Beginn keinen leisen Ton vor, “er sei nicht hier um gemocht zu werden”, und positioniert sich gegen das „Partikularinteresse“ der Mieterinnen. Er erntet zahlreiche Zwischen- und auch Buhrufe.

Fragen aus dem Publikum gab es genug, konkrete Antworten dagegen weniger

Publikumsfragen gab es viele

Die Aussagen der Grünen Renate Künast und Linken Azize Tank, ein Veto im Haushaltsauschuss des Bundestag einzulegen, werden mit Applaus belohnt. Auch den angenehm-unaufgeregten Argumenten von ig-groka Vertreter Thomas Hölker wird gemeinschaftlich zugestimmt. Leider werden die folgenden zwei Runden Publikumsfragen nur sehr mangelhaft beantwortet. Schuld daran tragen aber nicht die engagierten Mieterinnen, es scheint eher das Unvermögen des Bundesangestellten Gehb, und die Lippenbekenntnisse der anwesenden Politikerinnen zu sein, konkrete Antworten geben zu können.

Diskutieren im schon aufgeräumten Saal

So wird zum Ende der Diskussion zwar von allen Anwesenden ein „überparteilicher Konsens“ bezüglich des Vetos im Haushaltsausschuss beschworen – aber nicht nur Fr. L. meint hinterher gedämpft, nun müsse abgewartet werden. Die nächste Zeit würde zeigen, ob sich die Politikerinnen an ihr Wort halten würden und damit den Worten auch Taten folgen ließen.

Noch lange nach Ende der Veranstaltung um 21 Uhr stehen kleine Gruppen beisammen und diskutieren. Das Thema wird die BewohnerInnen im Schöneberger Norden noch begleiten, die Gemüter erhitzen, aber auch die Solidarität im Kiez steigern.

Wohnen und Mieten in Berlin: Bund redet von Mietenbremse – und verkauft zum Höchstpreis

Der Protest der BewohnerInnen in der Großgörschen-/Katzlerstraße gegen den Verkauf ihrer Häuser passt ins Zeitenklima und ist höchst effektiv. Dazu gehört u.a. die Erstellung der Petition  52559 „Liegenschaften des Bundes – Verkauf von Wohnimmobilien durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die über diesen Link gezeichnet werden kann.

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass ein Verkauf von Mehrfamilienhäusern der BImA zum Höchstgebot ausgeschlossen ist und diese Wohnimmobilien ausschließlich an gemeinnützige, kommunale Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften verkauft werden dürfen, die eine sozialverträgliche Vermietung sicherstellen. Mietern, die sich als Genossenschaft organisieren, ist ein Vorkaufsrecht einzuräumen. Um Wohnraum langfristig zu sichern, ist beim Verkauf ein Weiterveräußerungsverbot festzulegen. Mehr Info hier.  Weiterlesen

Und es gibt sie doch – Kiezstudenten

                                           Eine Antwort auf den Artikel                                                    „Studentenwohnheim im Kiez, aber keine  Studenten

Geschrieben von HU-Gastbloggerin Christina

Meine Kumpels kommen gerne zu mir! Also kanns ja nicht so schlimm sein!“ sagt Max über sein Wohnheim und seinen Kiez. Max wohnt in dem riesigen, grauen Klotz – dem Studentenwohnheim in der Potsdamer Straße 61/63. Immer wieder hört man, dass die Studenten dort nur schlafen und sich sonst eher in Luft auflösen. Ein so extrem buntes Studententreiben, wie in Friedrichshain ist tatsächlich nicht auszumachen. Aber ist es wirklich wahr, dass die Studenten aus dem Kiez flüchten und nur für wenige Stunden zum Nächtigen zurückkehren?

DSCI0419

Die Wahl für das Wohnheim fiel nicht der Gegend wegen. „Es ist günstig, zentral und ich habe mein eigenes Bad – nicht immer selbstverständlich. Mein Umfeld habe ich erst mal ignoriert.“ sagt Max. Auch die Aussicht begeisterte und die fiel dann auch auf den Kiez. „Ich fühlte mich von Anfang wohl! Berlin ist hier ganz persönlich!

Im Kiez erkennt man sich, man grüßt sich und lächelt sich an: „Man gehört einfach zum Kiezbild.“ Und Max ist stolz dazuzugehören. Natürlich kennt nicht jeder jeden, aber die Menschen begegnen sich gegenseitig stets mit einer gewissen Offenheit.

DSCI0417Versuchen denn nun die Studenten ihrem heimischen Kiez aus dem Weg zu gehen? „Also der Supermarkt in der Nähe ist immer voll mit Studenten. Und woher will man wissen, dass es nicht draußen alles Studenten sind?“ antwortet Max. Recht hat er! Fakt ist allerdings, dass die Gegend nicht viele Partylocations beheimatet. Man wohnt und feiert einfach an zwei verschiedenen Orten. „Ich will ja auch nicht in der Party wohnen. In der Woche ist es hier schön ruhig. Es gibt keinen Terz.“ sagt er.

Natürlich hat aber auch der Kiez einiges zu bieten. Max: „Ich war früher ein paar Mal in der Potse – einem Jugendclub – bei Konzerten. Außerdem kann man hier an jeder Ecke sehr gut essen. Einige Bars sind auch ganz in Ordnung.“ Nicht zuletzt machen die zentrale Lage und die günstige öffentliche Anbindung den Kiez so attraktiv.

DSCI0414Sicherlich kann man nicht abstreiten, dass die Potsdamer Straße und Umgebung besonders in der Nacht auch mal seine unangenehme Seite zeigen. „Ab und zu gibt es Polizeisperren wegen Ausschreitungen in Clubs. Dann komme ich nicht durch und muss ewig diskutieren, dass ich hier wohne. Sowas braucht man nicht schön reden!“ sagt Max. Aber eigentlich stört ihn sowas weniger. Auch die Prostitution stellt für ihn kein Problem dar: „Die Frauen gehören einfach zum Kiezbild!“.

Das Studentenleben in der Potsdamer Straße ist abwechslungsreich, aufregend und niemals einsam. Die Straßen sind immer belebt und das Wohnheim bietet ein gewisses Gemeinschaftsgefühlt. Es werden Freundschaften zwischen Nachbarn geschlossen, es wird zusammen auf dem Balkon gegrillt und dabei die grandiose Aussicht genossen. Und zur Uni ist es auch nicht weit.

DSCI0421

Der Gegenbeweis ist also erbracht: Es gibt Studenten, die in und auch mit dem Kiez leben! Und nur weil sie sich nicht öffentlich zusammenrotten und die Cafés belagern, bedeutet dies nicht, dass es ein Kiez ohne Studenten ist!

WH Potsdamer Straße 61/63, 10785 Berlin

Kurfürstenstraße142/Ecke Frobenstraße – neues Baugruppenprojekt

Geschrieben von HU-Gastblogger_In Katrin 

CIMG2301

Kurfürstenstr.142/Ecke Frobenstraße

Die Kurfürstenstraße 142/Ecke Frobenstraße ist wohl hauptsächlich durch die Straßenprostitution charakterisiert. Läuft man die Straße hinunter passiert man aber auch die markante Beuth Hochschule für Technik Berlin – University of Applied Sciences, welche 1914 gebaut wurde. Auf der anderen Straßenseite gibt es ein Café, diverse kleine Geschäfte, Wohnhäuser, dahinter ein großer Parkplatz und natürlich der alte Möbel’turm’ Hübner. In diesem Straßenteil klafft allerdings auch ein großes Grundstücksloch, welches ehemals vom Autohandel F.E.L.I.X Automobile GmbH geschlossen wurde. Hier soll nun ein neues Baugruppenhaus entstehen, welches durch das Architekturbüro „June 14“ umgesetzt werden soll.  Momentan ist dies noch in der Planungsphase. Der Baubeginn wird wahrscheinlich Anfang 2014 sein.

Was ist eine Baugruppe?

Baugruppen, das sind meist Privatpersonen die sich zusammenschließen um ein Grundstück zu erwerben und es auch eigenständig zu bebauen.  Auch werden Baugruppen oft von Architekten angestoßen um Projekte zu realisieren, also um arbeiten zu können. Hier gibt es allerdings keine Investoren, welche diese Objekte nur zur Gewinnmaximierung  nutzen.  Dementsprechend werden alle Risiken auch durch die Baugruppe selbst getragen. „Insgesamt sind 23 Parteien daran beteiligt, von denen wir die allermeisten bereits kannten. Die anderen sind Freunde von Freunden.“ , so Johanna Meyer-Grohbrügge. Diese neue Form des Bauens scheint sich sehr großer Beliebtheit  zu erfreuen. So lassen sich selbst über Social Networks wie Twitter folgende Nachrichten finden: „Seriously want to do a #baugruppe project myself. Anyone else in? Any architects?“, von Nutzer tomdyckhofff.

Das Baugruppenprojekt und Ihre Gestalter

Johanna Meyer-Grohbrügge und Sam Chermayeff sind die leitenden Architekten bei „June 14“. Ihr Büro in Berlin ist seit 2010 aktiv. Auf die Frage wie sie auf die Idee einer Baugruppe gekommen sind, antwortet Johanna Meyer-Grohbrügge: „Wir sind junge Architekten, die natürlich erstmal bauen wollen. Wir wussten, dass viele unserer Freunde und Bekannten eine Wohnung suchen und so haben wir Ausschau nach interessanten Grundstücken gehalten und die Leute zusammengebracht.“ Auch Sie selbst werden in die Kurfürstenstraße 142 einziehen, jedoch soll das Haus nur zu Wohnzwecken genutzt werden: „Wir werden dort auch eine Wohnung haben, doch sehr wahrscheinlich nicht mit dem Büro dort einziehen. Uns gefällt unser jetziges Büro und außerdem wollen noch mehr Projekte machen.“ Die Baudamen/herren bauen also für den Eigenbedarf. Durch diese Eigenorganisation lassen sich allerdings auch die Bedürfnisse der späteren Bewohner besser planen, da jeder Mitspracherecht hat innerhalb der Gruppe.

Baugruppenprojekte im Berliner Raum

Die Baugruppenprojekte werden von offizieller Seite sehr begrüßt. Das Land Berlin unterstützt gezielt Baugruppen mit ausgesuchten landeseigenen Grundstücken. Mehr als 80 verschiedene Wohnungsbaugenossenschaften bieten langjähriges Wohnen zur Miete und stabile Nachbarschaften an. Der Berliner Senat sichert ihnen eine breite Unterstützung zu. Genossenschaften sollen genauso wie die Wohnungsbaugesellschaften darin gefördert werden, ihren Bestand auszubauen.“, heißt es auf der Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Man erhofft sich hier mittelständischen Leuten einen bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu ermöglichen, Grundstückslücken in der Stadt zu schließen und nicht nur zum Zwecke des Gewinns zu nutzen.

Jede Baugruppe ist eigen

In der Flottwellstraße 2, unweit vom aktuellen Bauprojekt, ist ein Baugruppenhaus bereits zwischen 2008 und 2011 realisiert worden. Hier unter dem Architektenbüro Heide & von Beckerath. Das Baugruppenprojekt in der Flottwellstraße 2 ist aufgrund der Initiative der Architekten gemeinsam mit einem befreundeten Paar entstanden“, so Verena von Beckerath. Auch hier wurden Eigentumswohnungen nach Bewohner-Bedürfnissen erstellt: „Alle Wohnungen sind entsprechend Eigentumswohnungen. Einige werden selbstgenutzt, andere vermietet, da die Eigentümer zur Zeit nicht in Berlin leben. Dadurch sind die Bewohner in unserem Haus tatsächlich relativ gemischt: zwei Familien mit Kindern, einige Paare, zwei Wohngemeinschaften mit Studenten, eine Künstlerin, die das Studio als Atelier nutzt, etc…das Zusammenwohnen, auch zwischen den Generationen, kann sich nach gemeinsamer Planungs- und Bauzeit anders darstellen und entwickeln, als bei dem Kauf einer individuellen Eigentumswohnung.“  

Hier ging es also auch nicht ausschließlich um die Wohnidee an sich, was die Integration eines Studios in den Bauprozess aufzeigt. „Mischkonzepte wie Wohnen und Arbeiten sind insbesondere für Freiberufler interessant und lassen sich im Rahmen einer Baugemeinschaft eher realisieren“, so Beckerath. Eine interessante Idee zur Work-Life-Balance, da gerade Freiberufler meist mit wechselnden Mieträumlichkeiten für Studios, Büros bzw. Schreibtischen  konfrontiert werden.

Baugruppen pro oder contra?

Durch die Möglichkeit des Zusammenschlusses von Privatpersonen ohne den vorrangigen Zweck der Gewinnmaximierung blickt dennoch nicht jeder positiv auf diese neue Entwicklung der Städtebebauung. Kritiker sagen das Baugruppen keineswegs sozial handeln, da nicht jeder die Möglichkeit hat ohne weiteres einen Kredit bei Banken zu erhalten um an der Eigentumsbeschaffung teilzunehmen. Auch ist nicht jedes Baugruppenhaus als Mietshaus gedacht. Meist handelt es sich hierbei um Eigentumswohnungen  und damit ist eine Integrierung sozial-schwacher von Anfang an ausgeschlossen. Einzig Baugruppenprojekte die auf Genossenschaften basieren können diesen Ausschluss abwenden, da hier Eigentum keine Voraussetzung ist und Wohnraum zur Miete angeboten werden kann. Viele befürchten auch eine Aufwertung des Kiezes durch  die neuen Baugruppenhäuser und die damit verbundenen Mietpreissteigerungen für Alteingesessene.

Allerdings kommt dies auch auf den Aufwertungsstand eines Bezirkes an. Wenn dort vor der Planung des Baugruppenhauses schon horrende Mieten herrschen, kann das Baugruppenprojekt eine Möglichkeit bieten diese zu umgehen. Somit kann in solchen Fällen nicht von einer Ankurbelung des Gentrifizierungsprozesses gesprochen werden. Obwohl es unbestreitbar ein Teil dessen ist.

Und wie denken die neuen Baugruppengründer von „June 14“ über die durch Prostitution geprägte Straße: „Der Straßenstrich hat ja eine lange Geschichte und ist dort seit 100Jahren, wie wir gehört haben. Wir denken nicht und wollen auch nicht, dass diese vertrieben werden. Es kann natürlich sein, dass sich Freier dort nicht mehr so wohlfühlen und sich das Geschäft weiter nach hinten verschiebt, doch ich glaube das wird dauern und solange sie keinen neuen Ort haben, werden Sie auch dort blieben.“ 

Interview – Baugruppe der Marienburgerstr. 31a

 

 

 

Aktivisten im Kiez: Mit Engagement das Stadtbild beeinflussen

Geschrieben von Gastblogger Tobias

Was treibt einen Menschen dazu an, sich jahrzehntelang seinem Stadtteil zu widmen? Oder in frustrierenden Situationen nicht aufzugeben und sich weiter für eine Sache einzusetzen? Die Frage nach der Motivation und den Menschen dahinter, mit ihren persönlichen Geschichten wird in diesem Artikel beleuchtet.

Gleisdreieck 2

Das Gleisdreieck ist eine der letzten großen Brachflächen in der Mitte Berlins. Das ermöglicht einerseits viel Freiraum zur Gestaltung. Andererseits sind aber Konflikte zwischen Anwohnern und Investoren, die jeweils ihre Ideen vom Stadtbild verwirklichen wollen, vorprogrammiert. Am Beispiel der aktuellen Entwicklungen am Gleisdreieck wollte ich die Geschichten von Menschen hören, die sich jahrelang engagieren, um den Stadtteil lebenswerter zu machen.

Für eine bessere Atmosphäre

Josef Lückerath, ein alteingesessener Kiezbewohner, hat eine Menge erlebt. Seit nun mehr 43 Jahren lebt und engagiert er sich im Kiez. „In den 1980er Jahren fing ich auf eigene Faust an, mich bei verschiedenen Projekten und Aktionen im Stadtteil einzubringen“, erzählt er. Bei diesen ging es zum Beispiel darum, Baumfällungen und Parkplatzbauten zu verhindern. Überzeugen konnte er, da er auch selbst Ideen und Vorschläge einbrachte und nicht einfach nur dagegen war.

Motivation für seine aufwendige und zeitintensive Einbringung ist, die Lebensqualität im Stadtteil zu verbessern. „Mein Wunsch ist es, der Anonymität in der Großstadt entgegen zu wirken und eine angenehme Atmosphäre im Kiez zu schaffen“, sagt Josef Lückerath. Daher ist er auch über Bekannte in den Quartiersrat Tiergarten Süd gekommen, wo er seit 5 Jahren tätig ist. „Mir ist vor allem der Kontakt zu den Menschen hier wichtig“, betont er.

Das neue Gesicht des Gleisdreiecks

Gleisdreieck 1

Besondere Erfolge zeigen, dass sich die Arbeit und Energie lohnt. „Wir sind froh darüber, dass das Kurfürstenzentrum umgestaltet wird. Das ist schon ein Erfolg“, erzählt Josef Lückerath, „Aber es gibt noch genug zu tun“. Die Entwicklung am Gleisdreieck sieht er kritisch. „Durch die Neubauten erwarten wir einen Bevölkerungszuwachs von 18 bis 20 Prozent. Die Frage ist, wie man damit umgeht“, bemerkt er. Er sieht die Lage realistisch: „Natürlich wäre mehr Park und Grünfläche schöner, aber es muss hingenommen werden, dass teilweise bebaut wird“. Seine eigentliche Befürchtung ist, dass durch den Zuzug von wohlhabenderen Bevölkerungsschichten die Mieten steigen. Ihm ist es wichtig, die neuen Bewohner einzubinden.

Für die Zukunft erhofft er sich einen lebenswerteren Stadtteil. Die bereits erreichten Erfolge „müssen aber gepflegt werden“, betont er. „Ich wünsche mir einfach eine gute Stimmung im Kiez“.

Engagement zahlt sich aus, hat aber seinen Preis

Gabriele Hulitschke ist über Umwege Mediengestalterin geworden. Ihre Erfahrungen im Beruf helfen ihr auch beim Ehrenamt. So hat sie die Öffentlichkeitsarbeit der Kinder-Magistrale übernommen und nach kurzer Zeit sogar die Leitung. Die Initiative organisiert zum Beispiel Kunstaktionen für Kindergruppen. „Da erfahren wir von allen Seiten positive Resonanz“, sagt Gabriele Hulitschke. Durch ihr Interesse für ihren Kiez ist sie schnell ins Ehrenamt gerutscht. Als Mediengestalterin vermisste sie einen Ort für Gleichgesinnte. „Da wurde ich direkt angesprochen, mich doch auch gleich für andere einzusetzen“, erzählt sie. „Engagement ist für mich lebensbereichernd, es ist ein Lernprozess. Wenn man selbst beginnt Projekte zu initiieren oder Verantwortung zu übernehmen, ist der Wandel aber deutlich zu merken“, sagt sie. Ansonsten kann man sich schnell überfordern und verausgaben. „Ich musste auch lernen nein zu sagen“, schmunzelt sie.

Bei ihren vielen Tätigkeiten, stellt sich die Frage, wie das eigentlich zu schaffen ist. Denn neben der Kinder-Magistrale unterstützt sie auch die projektbegleitende Arbeitsgruppe (PAG) zum Gleisdreieck und ist als Quartierrätin aktiv. „Man braucht eine Menge Kraft“, sagt Gabriele Hulitschke, „Aber es macht ja auch Spaß“. Sie meint, dass man die wichtigen Dinge im Hinterkopf behalten muss, um mit dem Druck umzugehen. „Es hilft auf jeden Fall Gleichgesinnte um sich zu haben“, stellt sie fest, „Manchmal gibt es mehr Unterstützer als man denkt“.

Ein Ausblick

Im Kiez

Bezahlbare Mieten sind ihr Hauptziel für die Zukunft. „Außerdem wünsche ich mir Baugemeinschaften, die soziales Wohnen und WG-Formen ermöglichen“. Mit mehreren Kunstaktionen möchte sie den Menschen Probleme im Kiez vor Augen führen. „Mit Kunst kann man das auf eine ganz andere Art und Weise erreichen“, findet Gabriele Hulitschke.

Beide Aktivisten üben mit ihrem Engagement einen entscheidenden Einfluss auf das Stadtgebiet um die Potsdamer Straße aus und tragen ihren Teil dazu bei die Gegend lebenswerter zu machen. Mitmachen lohnt sich!