Unser Kiez soll schöner werden – die Gestaltung von Baumscheiben

Von HU-Gastblogger Antje Drobig

Auch wenn es so klingt, sind Baumscheiben keine zersägten Bäume oder Holzfenster. Als Baumscheiben bezeichnet man den Bereich um einen Stadtbaum herum, der nicht betoniert, gepflastert oder geteert ist.

So bitte nicht mehr!

So bitte nicht mehr!

Kiesgrube - schön ist anders

Kiesgrube? Aus unerklärlichen Gründen wurde diese Baumscheibe bekieselt.

Josef Lückerath, seines Zeichens reguläres Mitglied des Quartiersrats Tiergarten Süd, hat einen ganz besonderen Faible für diese Nischen. Er kümmert sich im Projekt Quartiersbegrünung darum, dass besagte Baumscheiben nicht mehr nur NICHT betoniert, gepflastert oder geteert sind, sondern eine ganz besondere Nutzung erfahren, nämlich die der Begrünung, der Gestaltung, kurzum: der Aufwertung.

Weg vom Hundeklo- Schmuddelimage und der Nutzung als Gießöffnung für Bäume. „Bäume machen grün und frischen die Luft gut auf, aber ohne Gestaltung kann eine Baumscheibe schnell zum Müllplatz für Mensch und Tier werden.“ Dank des Wechsels von Blumen und immergrünen Sträuchern sollen Kiezstraßen zur künstlichen und durchaus künstlerischen Naturpromenade werden.

So schön kann eine Baumscheibe aussehen - Pohlstraße 61

So schön kann eine Baumscheibe aussehen - Pohlstraße 61 (Foto: Lückerath)

Obwohl die Idee bereits seit den 1990’er Jahren reift, gibt es bisher erst wenige beispielgebende Exemplare gestalteter Baumscheiben. Die Gründe hierfür sind vielfältig: So manche bürokratische Hürde, fehlendes Geld („Alle Baumscheiben der Potsdamer Straße schlügen mit 150000 Euro zu Buche.“) und die strengen Winter der letzten Jahre waren nicht eben wachstumsfördernd.

Blümchen hier, Blümchen da, einfach schön!

Blümchen hier, Blümchen da, einfach schön!

Auch deshalb hofft der kunstinteressierte Lückerath auf engagierte Mitbürger und Unternehmen. „Vielleicht gibt es ja den ein oder anderen künstlerisch begabten Anwohner, der sich engagieren möchte.“ Patenschaften wurden bereits übernommen. Das Hotel Altberlin, das Café Isotop und der Bioladen Ölweide kümmern sich um die Baumscheiben vor ihrer Tür. Mit einigen Bürgern konnten dank bewilligter Gelder in den Jahren 2009 und 2010 bereits acht Baumscheiben gestaltet und darüber hinaus neue Bäume gepflanzt werden. Insgesamt könnten es aber mehr sein. Insgesamt könnte es auch noch kreativer zugehen. Das meint zumindest Lückerath, der sich besonders für „Grün“-plastiken (Jeder kennt sie seit Edward mit den Scherenhänden) interessiert.

Ob daraus einstmals eine Grünplastik wird? Hoffen wir das beste!

Ob daraus eine Grünplastik wird? Hoffen wir das beste!

Um all das zu erreichen, geht es im Frühjahr gleich wieder los. An der Bushaltestelle Potsdamer- Ecke Lützowstraße sollen weitere Baumscheiben wieder zum Blickfang werden. Nicht zuletzt durch die Aufmerksamkeit der Passanten und deren Sensibilisierung für ein schöneres Stadtbild erlangt das Projekt Sinnhaftigkeit. „So ergibt sich einfach ein optisch besseres Bild!“ Möge sich der Betrachter dann eine Scheibe davon abschneiden!

Einst Gosse, jetzt Frühlingsbote

Einst Gosse, jetzt Frühlingsbote

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