Verkiezter Rewe an der Potsdamer Straße

Geschrieben von HU-Gastblogger Florian

Der Rewe in der Potsdamer Straße 128 ist mittlerweile eine Institution im Kiez. Inhaber Sulaf Ahmed hat ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen seiner Kunden. Er weiß also wo der Schuh des Kiezes drückt und engagiert sich dementsprechend seit Jahren für Verbesserungen.

ReweSulaf Ahmed empfängt mich in seinem kleinen Büro. Hinter ihm mehrere Überwachungsbildschirme. Ein Schrank, ein Telefon. Alles in allem wenig dekadent. Die Tür bleibt meistens offen. Immer wieder sagen Bekannte Hallo.
Ein „Hallo“ und „Guten Tag“  von mir reicht aus um mich zu entlarven.
„Woher aus Österreich kommen Sie?“
„Wiener Speckgürtel“
„Ah. Aber hoffentlich nicht aus dem Burgenland?“
„Nein, um Gottes Willen!“
Die Burgenländer sind die Ostfriesen Österreichs. Das Wichtigste ist geklärt. Nun gehts zur Sache:

Seit 2002 ist Sulaf Ahmed Inhaber des Supermarktes. Bis 2010 ein „Bolle“, jetzt ein Rewe. Der Wechsel hat sich angeboten, da Rewe eine gute Marke ist. Bei 50 Milliarden Jahresumsatz lässt sich mitnaschen. Viele Freiheiten hat er als Franchisenehmer allerdings nicht. Der Rewe ist trotzdem sein Rewe. „Alles was Sie hier sehen, bin ich.“ 70 Stunden arbeitet er hier pro Woche. Die meisten Kunden sind Wiederholungstäter, die er persönlich kennt. Er und seine Mitarbeiter suchen das Gespräch. Und werden fündig. Viele schätzen das Tante-Emma-Feeling.

Seit einigen Jahren engagiert er sich für den Kiez. Dieser erstreckt sich vom Landwehrkanal bis zum Kleistpark. Dass die Bezirksgrenzen das nicht wissen erschwert oftmals das Engagement. „Es ist schon schwierig genug etwas in einem Bezirksamt durchzubringen. Zwei Bezirksämter sind  fast unmöglich.“ Dennoch bemüht er sich um Möglichwerdung. „Es reicht nicht aus in unseren eigenen vier Wänden zu bleiben. Die Frage ist: Was können wir tun für unseren Kiez.“ Dazu braucht es natürlich Vorbilder. Menschen die aktiv sind und mitreißen.

Im Quartiersrat versucht er Meinungen aus dem Kiez zu sammeln und der Politik vernünftig vorzubringen. Er begreift sich als Sprachrohr. Ich frage ihn nach Momenten der Frustration. „Ich bin nicht der Typ zum Frustriert-Sein. Ich glaube, dass jeder Einzelne etwas bewegen kann.“  Da ist was Wahres dran, denn obwohl der Quartiersrat nur Empfehlungscharakter hat, konnte schon einiges erreicht werden. Der Kiez gilt mittlerweile nicht mehr als Problemviertel. Eine Aufwertung ist die Folge, die aber auch Mieterhöhungen nach sich zieht. Die Aufwertung beurteilt er alles in allem trotzdem positiv. „Vor einen Haufen neuer Galerien muss man keine Angst haben. Ich glaube die Leute haben immer viel zu viel Angst vor der Zukunft. Ich lebe immer im Jetzt.“
Und wie war das gleich mit dieser Gentrifi-dings-bums?
„Also wir werden sicher kein neuer Prenzlauer Berg werden.“
Na gut. Das beruhigt.

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