Was machen die eigentlich und wieso reißt es kaum jemanden vom Hocker?

Von einer HU-Gastbloggerin

Villa Schöneberg_02Es gibt Themen, die die Massen mehr begeistern. Doch was Sozialarbeit in Berlin leistet ist beeindruckend und spannend. Dazu gehört auch die Villa Schöneberg“ in der Frobenstraße.

Die „Villa Schöneberg“ gibt es seit 2010 in der Trägerschaft der „gemeinnützigen Gesellschaft für sozial kulturelle Arbeit“ (GskA). Sie ist Teil der Kinder- und Jugendsozialarbeit des Outreach-Teams Schöneberg-Nord. Eine Anlaufstelle, eine Freizeiteinrichtung, kurzum ein Ort, an dem Jugendliche willkommen sind. Hier kann im Rahmen verschiedener Projekte gespielt, gegärtnert, gekocht oder getanzt werden. Es gibt Familiensamstage und spezielle Angebote für Mädchen.

Ein Sozialarbeiter erzählt
Ich bin mit dem Sozialarbeiter Gunter Groß in der „Villa Schöneberg“ verabredet. Das Gebäude ist nicht gerade eine Villa im herkömmlichen Sinne, sondern ein zweistöckiger Ziegelbau mit großem eingezäunten Spielplatz.

Während ich auf ihn warte, verausgaben sich einige Jugendliche beim Tischfußball. Ich sitze auf einem knautschigen Sofa. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre. Zum Gespräch gehen wir in die im Obergeschoss liegende Küche. Aus Pappmaché gefertigte Früchte hängen in verschiedenen Farben von der Decke. Zwei dunkelhaarige Jungen löffeln Joghurt und diskuieren danach hitzig darüber, in welchen der Mülleimer die Plastikbecher gehören.

„Ich bin gelernter Zahntechniker, Pfleger und studierter Politologe,“ erzählt Gunter Groß. Nach Ausbildung, Studium und Arbeit als Pfleger sei er dann durch freie Kletterangebote für Kinder, angeboten von Outreach auf dem Spielplatz in der Alvenslebenstraße, zur Sozialarbeit gekommen.


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Und was genau hat es mit dieser Villa auf sich?!..
Es wird schnell klar, weshalb soziale Arbeit oft wenig Aufsehen erregt. Es geht selten spektakulär her und Erfolge sind nicht plakativ vorzuzeigen. Und doch geht es um die ganz großen Themen, wie Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Begriffe, die gerade in der Politik häufig verwendet, jedoch selten konkretisiert werden. Die Mitarbeiter/innen der „Villa Schöneberg“ nehmen diese Themen in Angriff und zwar vor Ort mit den Kindern aus dem Viertel.

In dem Projekt „Peerhelper“, zum Beispiel, werden die Jugendlichen aktiv und verantwortungsvoll mit in die Arbeit einbezogen. Seit 2005 bildet Outreach Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren hierfür aus. Dann können sie Angebote für Gleichaltrige und Jüngere entwickeln und durchführen, Aktionen vorbereiten, bei Veranstaltungen helfen, Kinder auf Spielplätzen betreuen und Gruppen bei Ausflügen begleiten. Für das Ehrenamt erhalten sie je, nach Qualifikation, ein geringes Entgelt von 5 – 6 Euro pro Stunde.

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Vernetzung wird groß geschrieben

Die Villa Schöneberg liegt im sogenannten „Bermudadreieck der Sozialarbeit“, denn an der Ecke Frobenstraße/Kurmärkische Straße gibt es neben der Villa noch die soziale Einrichtung „Familientreffpunkt Kurmärkische Straße“ und den Kindergarten „Haus der Kinder“.

„Wir arbeiten miteinander statt gegeneinander“, erzählt Gunter Groß. „Soziale Strukturen im Viertel und starke Vernetzung zwischen den Einrichtungen sind enorm wichtig.“ In Planung ist zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit der Kids Aktiv Kasse, einem Fördergeldprojekt, dass von den Kindern im Schöneberger Norden aktiv mitgestaltet wird. Vom REWE Markt auf der Potsdamer Straße wird die „Villa Schöneberg“ durch Lebensmittelspenden unterstützt. Man kennt sich im Kiez und hilft einander.

Für die Zukunft
Auf die Frage nach den Auswirkungen der Gentrifizierung auf seine Arbeit, zuckt Gunter Groß mit den Schultern. Bis auf den Wegzug einiger Familien nach Spandau, weil sie die steigenden Mieten nicht mehr zahlen konnten, veränderte die „Aufwertung“ des Viertel kaum etwas an der Situation der Kinder. Ihre spezifischen Probleme bleiben bestehen.

Über die Grenzen des eigenen Einflussbereichs hinaus fällt es sozialen Einrichtungen wie der „Villa Schöneberg“ oft schwer Gehör zu finden. „Wen reißt soziale Arbeit vom Hocker? Ein Knast ist für die Öffentlichkeit interessanter“, beschreibt Gunter Groß die mediale Präsenz der Einrichtung.

Ich denke über den bei Politikern sehr beliebten Satz „Kinder sind unsere Zukunft“ nach und muss ein bisschen schmunzeln. Denn da – in der Villa Schöneberg – kümmert sich jemand um unsere Zukunft. Und das kann einen irgendwie schon vom Hocker reißen!

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