Wenn Zwiebelschneiden in Freudentränen endet

Seit Anfang Mai geht es im Gemeindesaal der Zwölf-Apostel-Kirche jeden Donnerstag kulinarisch spontan zu. Um 16 Uhr weiß niemand, was um 19 Uhr auf dem Tisch stehen wird. Das entscheidet sich erst nach einem Besuch bei REWE auf der Potsdamer Straße, dessen Besitzer Sulaf Ahmed großzügig die wöchentliche Lebensmittelspende tätigt. Darüber hinaus unterstützen Gemeindespenden die wöchentlichen Zukäufe.

Aus den bunt zusammen gewürfelten Zutaten wird dann ein zwei bis drei Gänge Menü zusammen gestellt. Ist die Speisenfolge entschieden, entwickelt sich ein geschäftiges Treiben. Die einen schnippeln Gemüse, die nächsten Obst, waschen Salat, wieder andere stellen Stühle und Tische auf. Derweil wird in der Küche bereits der Herd in Gang gesetzt. Und nebenbei gibt es viele Gespräche der ernsten und lustigen Art zwischen den SuppenküchlerInnen die vom Alter und Biographien her, nicht unterschiedlicher sein könnten.

„Mir gefällt die Atmosphäre hier,“ sagt die 17-jährige Céline. „Alle gehen respektvoll miteinander um, und es sind interessante Leute hier zum unterhalten. Ich hab gerade viel freie Zeit. Da ist es für mich selbstverständlich etwas Soziales zu machen.“

Melanie (35) hatte beim Gemeindesommerfest von der Initiative erfahren. „Ich bin hier, weil ich gerne etwas für andere machen und es sind nette Leute in der Gruppe,“ sagt sie. Dann wendet sie sich schnell wieder der Kartoffelsuppe zu, denn so oft kocht sie nicht für über 40 Leute.

Judith kommt meist direkt von der Arbeit aus dem Archiv hierher. „Ich mag gerne mit Menschen etwas Praktisches machen,“ sagt sie. „Und dann finde ich wunderbar, wenn ich sehen kann, dass meine Taten anderen Menschen gut tut.“

Das ist klar zu beobachten, wenn sich um 19 Uhr die Türen öffnen und die Gäste herein strömen. In den letzten Wochen war es bereits über 40 Menschen. Manche kommen nur zum Essen. Andere bleiben, bis die Suppenküche um 21 Uhr schließt. Und so schlägt einem beim Betreten des Gemeindesaals gute Laune und angeregtes Stimmengewirr entgegen.

Das Wichtigste bleibt natürlich der Gang zum Buffet. Dies geschieht sehr höflich und mit freundlichem Entgegenkommen. Die SuppenküchlerInnen erfahren viel Dank für ihre ehrenamtliche Arbeit. Und Lob.

„Das Essen ist hervorragend in seiner Vielfalt und Ausgewogenheit,“ sagt eine Frau. „Ich bin sehr zufrieden,“ sagt ein Mann. „Es ist immer schön gedeckt und eine familiäre Atmosphäre,“ fügt sein Nachbar hinzu. Eine Frau bedankt sich für die Freundlichkeit der SuppenküchlerInnen. „Mit denen kann man wirklich reden,“ sagt der Nächste. „Und sie geben auch Hilfestellung, wenn man es braucht.“

Die Suppenküche am Donnerstag wurde im Frühjahr 2011 initiiert, weil die Mittwochsinitiative der Gemeinde mit bis zu 80 Gästen am Abend völlig überlastet war. In der jetzigen Einarbeitung steht ihnen Bernd Weiß mit geduldiger Unterstützung zur Seite. Auch auf der Essensebene gibt es einen guten Austausch.

So stehen die SuppenküchlerInnen noch am Anfang und ein im Suppenküchenmilieu erfahrener Gast äußert sich nach viel Lob dann doch noch skeptisch. „Am Anfang sind diese Initiativen immer toll,“ sagt er. „Doch nach einem Dreivierteljahr lässt es dann nach.“


Ihn im kommende März in seiner Prognose zu enttäuschen, würde den SuppenküchlerInnen ein großes Vergnügen bereiten. Weitere freiwillige Helfer/innen sind jederzeit herzlich willkommen, um dieses Ziel zu erreichen. Worauf dann garantiert beim Zwiebelschneiden Freudentränen vergossen werden.

Informationen für ehrenamtliche Helferinnen
Die Suppenküche findet jeden Donnerstag im Gemeindehaus der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde statt.
An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin
So können Sie praktisch helfen:
16 – 19 Uhr: Vorbereitung des Essens und des Speisesaals
19 – 21.30 Uhr: Ausgabe des Essens und Aufräumen des Speisesaals
So können Sie auch helfen:
Zur Zeit stellen wir unsere Küchenutensilien zusammen. Wenn Sie große Kochtöpfe, Siebe, Schneidebretter, also allgemeine Kochutensilien zu verschenken haben, sprechen Sie uns an.

Weitere Informationen und Anmeldung:
Regine Wosnitza
Tel. 23639903
Email: regine[@}wosnitza-berlin.de

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